Leichtathletik-WM : Der neue Sprint-König heißt Tyson Gay

Tyson Gay hat bei der Leichtathletik-WM in Osaka den schnellsten Mann der Welt entzaubert. Der US-Sprinter ließ im 100-Meter-Finale Weltrekordler Asafa Powell aus Jamaika keine Chance.

Ulrike John[dpa]
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Tyson Gay ist der neue Weltmeister über 100 Meter. -Foto: AFP

OsakaGay nahm den Pastorensohn Powell ins Gebet - aber dessen Weltrekord war ihm (noch) heilig. Der 24-Jährige Tyson Gay aus Kentucky zeigte beim ersten Duell der beiden Sprintgiganten in diesem Jahr dem Jamaikaner die Hacken. Zum achten Mal bei elf Leichtathletik-Weltmeisterschaften flatterte nach einem 100-Meter-Finale auf der Ehrenrunde der Sternenbanner: Gay ist der neue Coverboy der Sprint-Großmacht USA, die in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Doping-Fälle erschüttert wurde. Er klopfte sich nach seinem Sieg in 9,85 Sekunden wie Kingkong auf die Brust - Powell schlich mit hängendem Kopf aus dem Nagai-Stadion: Der "Welt-Leichtathlet" des Jahres 2006 musste sogar Silber an Derrick Atkins von den Bahamas überlassen.

"Ich kann es nicht glauben. Mir war klar, dass das Rennen in der letzten Phase ab 70 m entschieden wird", sagte Gay, der noch am Finaltag mit seinem im Gefängnis sitzenden Trainer Lance Brauman telefoniert hat, "er hat mir gesagt, wenn ich morgen aufwache, bist du Weltmeister." Gay ist damit Nachfolger von Justin Gatlin, der vor zwei Jahren in Helsinki ebenso siegte wie bei Olympia 2004 in Athen - den Sprint allerdings in eine noch größere Glaubwürdigkeitskrise stürzte: Gatlin wehrt sich als Doping-Wiederholungstäter zur Zeit gegen eine Acht-Jahres-Sperre.

Powell: "Ich war nicht konzentriert"

Für Powell endete der so lange erwartete Abend mit einer bitteren Enttäuschung. "Ich war nicht konzentriert, wir hatten beide großen Druck", sagte Powell. Beim Start habe er auf seine Füße geschaut. "Es hat geblutet. Das hat mir Schmerzen verursacht und mich abgelenkt", meinte er, gab aber zunächst keine genauere Erklärung ab.

Seit seinem fünften Platz bei Olympia 2004 war Powell nicht mehr geschlagen worden. Am 14. Juni 2005 war er in Athen den Weltrekord von 9,77 Sekunden gerannt, der er im Jahr später noch zwei Mal bestätigte. "Wenn er dieses Mal nicht gewinnt, hat er den Makel des ewigen Verlierers", hatte IAAF-Funktionär Helmut Digel schon vor dem Showdown gesagt. Das ganze Jahr waren sich die Rivalen der Rennbahn aus dem Weg gegangen."

Atkins stellt Landesrekord auf

Der auf Jamaika geborene Atkins kannte im Finale keine Verwandten: Powell ist sein Cousin zweiten Grades. Atkins stellte mit 9,91 Sekunden einen Landesrekord für die Bahamas auf, Powell benötigte fünf Hunderstel mehr. Gays Trainer konnte den größten Triumph seines Schützlings unterdessen nur am Fernseher miterleben: Brauman sitzt im Gefängnis von Texarkan/Texas eine einjährige Haftstrafe ab - wegen illegaler Zahlungen an Collegstudenten.

Der Weltmeister will nun noch einmal Gas geben: Über 200 Meter gilt er spätestens seit seinen 19,62 Sekunden von den US-Meisterschaften in Indianapolis: Schneller war bisher nur Weltrekordler Michael Johnson (19,32). Mit Doping-Verdächtigungen muss Gay ebenso wie seine Kollegen leben. "Jeder hat sich längst eine Meinung über mich gebildet. Ich glaube aber, dass es nur eines Siegsprinters bedarf, der im Verlauf seines gesamten Karriere niemals positiv getestet wird, und dann werden alle Sprinter wieder in einem anderen Licht betrachtet", sagte er kürzlich.

Klüft bleibt "Königin der Athleten"

Siebenkampf-Königin Carolina Klüft hielt auch im letzten Kaiserreich der Welt Hof und die komplette Konkurrenz in Schach. Mit dem Europarekord von 7032 Punkten landete die 24 Jahre alte Dauersiegerin aus Schweden als erste Mehrkämpferin in der WM-Geschichte den Titel-Hattrick. Sie verbesserte die 18 Jahre alte europäische Bestleistung der Russin Larisa Nikitina (7007) um 25 Punkte. Zweite wurde die Ukrainern Ljudmilla Blonska (6832) vor Kelly Sotherton (6510) aus Großbritannien. Als beste deutsche Mehrkämpferin erreichte Lilli Schwarzkopf (Paderborn) mit 6439 Punkten Platz fünf.

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