Leichtathletik-WM : Gewagtes Event

Die Wirtschaftskrise macht die Leichtathletik-WM zu einem finanzielles Risiko. Der Senat will mögliche Verluste nicht tragen.

Friedhard Teuffel

Wer die neun Tage der Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August im Olympiastadion auf Höhe der Ziellinie verfolgen will, mit kaltem und warmem Büffet und Zugang zu den Vip-Bereichen, zahlt dafür 3900 Euro. Eine Loge für zehn Personen kostet 40 000 Euro, eine für 20 Personen 80 000 Euro. Mit solchen Angeboten wollen die Veranstalter viel Geld einnehmen, neun Millionen Euro erwarten sie von Sponsoren, aus dem Merchandising und eben durch solche Hospitality-Angebote.

Doch die Wirtschaftskrise macht das Sportereignis zu einem riskanten Unternehmen. Wer zahlt also eigentlich, wenn es schief geht mit der WM? Wenn nicht genügend Zuschauer und Sponsoren kommen? Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes hatte erst einige Verwirrung verursacht mit seiner Aussage, dass die Kosten an der Stadt hängen bleiben würden, „letzten Endes wäre das so“, hatte er gesagt. Müsste Berlin also für ein mögliches Defizit der WM aufkommen?

Am Freitag wird sich der Sportausschuss des Abgeordnetenhauses mit der Leichtathletik-WM beschäftigen, auch mit den finanziellen Fragen. Der Innen- und Sportsenator Ehrhart Körting (SPD) scheint sich derzeit keine Sorgen um die WM zu machen. „Niemand geht davon aus, dass die WM kein Erfolg wird“, sagt Körting. Bislang sind nach Angaben des WM-Vermarkters Michael Mronz knapp 200 000 Tickets verkauft worden, deutlich mehr als erwartet. 500 000 müssten es insgesamt werden, damit das Stadion an allen neun Tagen voll besetzt ist. Mit den Tickets wollen die Veranstalter 15 Millionen Euro einnehmen.

Der größte Teil des Etats von insgesamt 44 Millionen Euro kommt allerdings aus öffentlichen Mitteln. 20 Millionen Euro wird Berlin zur WM dazugeben – höchstens. „Unsere Zuwendungen sind gedeckelt. 20 Millionen Euro und Punkt“, hat Thomas Härtel gesagt, der für Sport zuständige Staatssekretär. Wer für eventuelle Verluste der WM aufkäme, ist vertraglich zwischen Berlin und dem Deutschen Leichtathletik-Verband geregelt. Darin heißt es: Das Organisationskomitee trägt das wirtschaftliche Risiko.

Das Organisationskomitee ist jedoch eine GmbH und verfügt nur über ein Stammkapital von 26 000 Euro. Hohe Außenstände könnten damit nicht bedient werden. Alleiniger Gesellschafter ist der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV). „Das Vermögen des DLV ist überschaubar“, sagt Präsident Prokop, nimmt aber jetzt zugleich Berlin aus der formalen Verantwortung: „Sollten alle Stricke reißen, besteht für Berlin keine juristische Verpflichtung.“ Wie aus Senatskreisen zu erfahren ist, hat Berlin mit dem DLV vereinbart, sich im Fall der Fälle noch einmal zusammenzusetzen und zu erörtern, wer für mögliche Defizite aufkommt. Wenn auch keine formale Verpflichtung für Berlin besteht, dann wohl eine moralische, nach dieser WM niemandem etwas schuldig zu bleiben. Prokop sagt: „Wir diskutieren hier im Geisterbereich. Ich habe manchmal das Gefühl, ich muss mich dafür entschuldigen, dass ich eine Krise bei dieser WM für hypothetisch halte.“ Friedhard Teuffel

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