Leichtathletik-WM in Berlin : Fünf Millionen als Prämie

Die Weltmeisterschaften der Leichtathletik haben für Berlin noch einen Erfolg in der Nachspielzeit gebracht.

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Berliner Laufgemeinschaft. Usain Bolt (links) und Berlino im Wettrennen, wer das bessere Maskottchen der WM ist. Foto: ddpAFP

Berlin - Alle Rechnungen sind ausgewertet – und das Organisationskomitee hat tatsächlich fast fünf Millionen Euro übrig. Das macht fünf Millionen Euro für die Landeskasse, denn der Senat von Berlin hatte sich mit einer Ausfallbürgschaft von 20 Millionen Euro am Etat der WM beteiligt. Er muss also nur 15 Millionen zuschießen.

Der Überschuss ist auch deshalb erstaunlich, weil die Organisatoren längst nicht so viele Eintrittskarten verkauft haben wie erhofft. 545 000 waren insgesamt zu haben, 500 000 hatte sich das Organisationskomitee vorgenommen zu verkaufen, 417 000 sind es geworden. „Das ist eine stolze Summe, man muss das in Relation sehen zu den Weltmeisterschaften davor in Helsinki und Osaka“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bei der Abschlussbilanz am Montag im Roten Rathaus. In Helsinki 2005 waren 345 000 Tickets abgesetzt worden, 2007 in Osaka 254 000. Die Tickets sollten 14,8 Millionen Euro in den Berliner WM-Haushalt einspielen. Insgesamt wurden Tickets im Wert von 14 Millionen Euro verkauft.

Dass die Berliner ihr selbst aufgestelltes Ziel nicht erreicht haben, dürfte auch an den Eintrittspreisen gelegen haben. Clemens Prokop, der Präsident des Organisationskomitees und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, verteidigte zwar den einzelnen Kartenpreis. 30 Euro für das günstigste Ticket seien nicht zu viel gewesen. Über Rabatte für Familien sei jedoch lange diskutiert worden. Hätte sich das Organisationskomitee für familienfreundliche Preise entschieden, wären wohl weit mehr Tickets verkauft worden. „Insgesamt sind wir mit unseren Überlegungen zum Ticketverkauf aber in die richtige Richtung gegangen“, sagte Prokop.

Berlin hätte nun gerne mehr Leichtathletik. Das Internationale Stadionfest, kurz Istaf, wird nach einigem Hin und Her doch im Olympiastadion bleiben, wenn auch nicht mehr als Meeting der international ersten Kategorie, der Diamond League. Als die Zukunft des Istaf ungewiss war, hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) selbst einen Vorstoß unternommen, um eine eigene Veranstaltung im Olympiastadion auszutragen. Die Rede war von einem Länderkampf etwa mit Jamaika, den USA und Russland. Auf Gegenliebe bei Wirtschaftspartnern und Fernsehanstalten stieß der Verband damit jedoch nicht. Das Zeitalter der Länderkämpfe in der Leichtathletik scheint schließlich vorbei zu sein, weil die nationalen Verbände anders als noch vor einigen Jahrzehnten nicht mehr über ihre Athleten bestimmen, sondern inzwischen die Macht auf die Athleten und ihre Manager übergegangen ist.

Zurück ins Berliner Olympiastadion will der DLV dafür mit einer Europameisterschaft kommen. Er könnte sich für 2016 oder 2018 bewerben, wobei sich etwas Geduld auszahlen dürfte. Die EM 2016 ist wegen der im selben Jahr stattfindenden Olympischen Sommerspiele nur eine kleine Europameisterschaft, zum Beispiel ohne die für Berlin so attraktiven Marathonwettbewerbe. Zwei Jahre später wäre eine EM in Berlin schon reizvoller, gerade nach den Erfahrungen mit den Lauf- und Gehwettbewerben bei der WM mit Start und Ziel am Brandenburger Tor. „Wenn wir mit Berlin antreten“, sagt DLV-Präsident Prokop, „müssen wir keinen Konkurrenten fürchten.“

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