Leichtathletik-WM in Berlin : Laufen ohne anzukommen

Die Leichtathletik-WM, die im August in Berlin stattfindet, ist noch nicht besonders präsent – die Organisatoren behaupten, sie lägen im Plan.

Friedhard Teuffel
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Namenlos. Ganz Deutschland soll sich auf der Suche nach einem Namen für das Maskottchen beteiligen.Foto: BOC2009

Berlin - Dieses plüschige Bärchen muss einem schon leid tun. Zum einen hat es auch zwei Wochen nach seiner Geburt noch keinen Namen, doch das ist halb so schlimm. Ganz Deutschland ist schließlich gerade aufgefordert, einen Namen zu finden für das Maskottchen der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin. Viel trauriger ist, dass das Bärchen in seiner blauen Hose ganz außer Puste sein muss, denn, wie es sich für ein Leichtathletik-Maskottchen gehört, rennt und rennt und rennt es – aber ankommen wird es nie. Es läuft in die falsche Richtung. So haben es die Grafiker auf die Bahn gesetzt.

Das Maskottchen muss also Maskottchen bleiben und darf nicht zur Symbolfigur werden für die WM. Ihr Ziel sollten die Veranstalter erreichen, es sind sogar zwei, auch wenn sie in diesen Tagen noch weit entfernt scheinen, nämlich 500 000 Tickets zu verkaufen für die neun Tage im August vom 15. bis zum 23. und dazu noch fünf nationale Sponsoren zu finden.

Berlin investiert 20 Millionen Euro in die WM

Bisher haben die Veranstalter nach eigenen Angaben 185 000 Tickets abgesetzt und nur einen Sponsor vorgestellt, die Deutsche Post, ein Frühstart sieht anders aus. Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting als Mitglied des WM-Aufsichtsrates soll einen besorgten Brief an den DLV, den Deutschen Leichtathletik-Verband, verfasst haben. Berlin investiert in diese WM immerhin 20 Millionen Euro, und auf Schulden der WM will Berlin nicht sitzen bleiben.

Den Brief des Senators hat Clemens Prokop, der Präsident des DLV, so gelesen: „Herr Körting wollte eine Risikobewertung haben.“ Da möchte er ihn beruhigen: „Wir sind voll im Plan.“

Nun kann das bedeuten, dass die Arbeit des Organisationskomitees bislang äußerst erfolgreich läuft. Oder dass der Plan sehr bescheiden formuliert worden ist.

Es gibt erst zwei von fünf nationalen Sponsoren

Der Kartenverkauf soll insgesamt 15 Millionen Euro einbringen und die fünf nationalen Sponsoren zusammen fünf Millionen. Auch die sind nicht leicht zu sammeln, denn der zweite Sponsor, Vattenfall, der an diesem Donnerstag im Roten Rathaus vorgestellt wird, liefert sicher lieber seinen Strom als eine Million zu bezahlen. Das würde dem Organisationskomitee Ausgaben sparen, aber die geplanten Einnahmen verringern. „Unsere Sponsorenverträge sind auch auf Cash-Zahlungen ausgelegt“, sagt Prokop dazu.

Der Optimismus ist ihm nicht zu nehmen. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass der Kartenvorverkauf so gut läuft.“ Das wäre in der Tat eine Überraschung, weil die WM bislang noch nicht besonders präsent ist in der Republik. Für Werbemaßnahmen stehen 2,5 Millionen Euro zur Verfügung, „dieses Geld muss man gezielt einsetzen“, sagt Prokop, der auch Präsident des Organisationskomitees ist. „Die heiße Phase wird das letzte Quartal vor der WM sein“, sagt Prokop. So sei es auch 2002 gewesen, bei den Europameisterschaften in München. „Da haben wir in den letzten Tagen noch 30 000 Tickets verkauft und trotz schlechten Wetters war das Stadion voll.“

Das meiste Geld haben sie sich daher noch aufgehoben, zum Beispiel für eine Deutschlandtour durch 66 Städte. Eine Kampagne mit den deutschen Gesichtern der WM soll ebenfalls folgen. Das erste Gesicht dieser WM ist allerdings kein Gesicht der WM mehr. Um den Jahreswechsel hatte das Organisationskomitee in 60 deutschen Städten Plakate aufhängen lassen, von denen grinste der äthiopische Langstreckenläufer Haile Gebrselassie herunter. Nur hat sich Gebrselassie längst entschieden, beim Berlin-Marathon im September zu laufen und nicht bei der WM. Ihr Maskottchen wird ihnen dafür nicht weglaufen.

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