Leichtathletik-WM in Peking : Dreispringer Christian Taylor kann links wie rechts

Der Dreispringer Christian Taylor hat das Sprungbein geändert. Eigentlich eine Wahnsinns-Idee. Doch sie funktioniert.

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Christian Taylor greift heute im Finale der Dreispringer an. Foto: AFP
Christian Taylor greift heute im Finale der Dreispringer an.Foto: AFP

Es ist ein bisschen so, als würde Timo Boll plötzlich statt mit links mit rechts Tischtennis spielen. Oder Robert Harting den Diskus statt mit dem rechten mit dem linken Arm schleudern. Der US-amerikanische Dreispringer Christian Taylor hat sich im vergangenen Jahr jedenfalls entschlossen, seine Technik komplett umzukrempeln und sein Absprungbein zu wechseln. Eigentlich eine Wahnsinnsidee, schließlich ist der Dreisprung eine der anspruchsvollsten Disziplinen der Leichtathletik – und Taylor amtierender Olympiasieger. „Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen, auch mein Trainer war nicht gerade begeistert“, sagt der 25-Jährige. „Aber bei der WM 2013 in Moskau war ich nicht in Form und dachte mir: Ich muss etwas ändern, sonst bin ich nur noch ein mittelmäßiger Springer.“

Beim ersten Teil des Dreisprung-Triptychons aus Hop, Step und Jump springen die Athleten mit einem Fuß ab, landen auf demselben Fuß und springen sofort weiter. Die enormen Kräfte, die dabei wirken, hatten Taylor nicht gutgetan. „Ich habe nicht mehr viel Knorpel im linken Knie“, sagt er. „Nach zehn Jahren als Springer ging es nur noch Knochen auf Knochen.“ Also beschloss er, die Bewegung komplett umzudrehen.

Alte Bestleistung gesteigert

Die Koordination sei schwierig gewesen, auch die mentale Umstellung habe ihm zu schaffen gemacht, das komplexe Timing des Sprungs musste er komplett neu lernen. Zunächst fehlte ihm auch das Vertrauen, mit voller Geschwindigkeit in den Sprung hineinzugehen. „Aber jetzt gibt es keine Entschuldigung mehr“, sagt Taylor. Er braucht auch keine, mittlerweile hat er sogar seine alte persönliche Bestleistung mit links von 17,96 Meter auf 18,06 Meter mit rechts gesteigert. Ins heutige Finale bei der Leichathletik-WM in Peking (13.10 Uhr) zog Taylor als zweitbester Springer der Qualifikation ein. Fürs Finale erwartet er einen harten Kampf um Gold mit dem Kubaner Pedro Pablo Pichardo. „18 Meter sind der Standard, den man für den Sieg springen muss“, glaubt Taylor, mittelfristig würde er gerne den Weltrekord der britischen Dreisprung-Legende Jonathan Edwards von 18,29 Meter angreifen. Mit rechts natürlich.

"Für mich wäre das völlig unmöglich"

Selbst Taylors Konkurrenten fällt es schwer zu begreifen, wie die Umstellung gelungen ist. „Für mich wäre das völlig unmöglich“, sagt sein US-Teamkollege Marquis Dendy. „Aber wenn es irgendjemand schaffen kann, dann ist es Christian.“ Taylor hat wohl geholfen, dass er bereits zuvor eine Art Universal-Leichtathlet war. Die vergangene Übergangs-Saison nutzte er, um auch im Weitsprung und im Sprint Wettkämpfe zu bestreiten.

Seine persönliche Bestleistung im Weitsprung hätte bei der WM für Bronze gereicht, mit der US-Mannschaft gewann er 2014 bei der Staffel-WM über 4 x 400 Gold. „Die Staffel war großartig, einfach ein toller Spaß“, sagt Taylor. Bei der WM wolle er sich aber ganz auf den Dreisprung konzentrieren. „Aber ich habe meine Sprint-Spikes mitgenommen, falls ich doch gebraucht werde“, sagt er. Der Schritt aus der Sprunggrube auf die Laufbahn wäre aber wohl nur eine minimale Umstellung für Christian Taylor.

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