Leichtathletik-WM : Kleinert holt erste Medaille für Deutschland

Kugelstoßerin Nadine Kleinert hat das erste Edelmetall für Deutschland bei der Leichtathletik-WM in Osaka ergattert. Die Magdeburgerin gewann Bronze.

Ralf Jarkowski,Ulrike John[dpa]
070826kleinert
Nadine Kleinert in Boxerpose. -Foto: AFP

OsakaMit der knallroten Kugel hat Nadine Kleinert für abendlichen Bronze-Glanz gesorgt und dem deutschen Team bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Osaka die erste Medaille beschert. Fit auf den Punkt genau steigerte sich die 31 Jahre alte Magdeburgerin auf die Saisonbestleistung von 19,77 Meter und freute sich diebisch über Platz drei. "Ich habe an mich geglaubt und mich nie selbst aufgegeben, obwohl ich die ganze Saison über Probleme hatte", sagte die Olympia-Zweite im Kugelstoßen von 2004. "Mit der alten Dame ist immer zu rechnen - mich braucht man nicht abzuschreiben."

Mitfavoritin Petra Lammert (Neubrandenburg) landete bei ihrer zweiten WM mit 19,33 Metern auf dem fünften Platz. "Ich habe mein Potenzial nicht ausschöpfen können, aber ich habe ja noch Zeit", tröstete sich die 23 Jahre alte Neubrandenburgerin selbst. Mit dem letzten Stoß holte sich die Neuseeländerin Valerie Vili mit 20,54 Metern überraschend Gold. Die rund 40.000 Zuschauer im Nagai-Stadion waren begeistert - und Lammert schwer beeindruckt: "Das ist schon eine Granate!" Nach der ersten Niederlage in diesem Jahr musste sich Titelverteidigerin Nadeschda Ostaptschuk aus Weißrussland (20,48) diesmal mit Rang zwei begnügen. Ihr Konter im allerletzten Versuch war sechs Zentimeter zu kurz.

Hitze-Drama im 20-Kilometer-Gehen

Zur Hitzeschlacht in der prallen Morgensonne wurde das 20-Kilometer-Gehen der Männer. Ein Drama: Der Berliner André Höhne erlitt rund 200 Meter vor dem Ziel bei Temperaturen um 30 Grad Celsius einen Hitzschlag. "Er hat zeitweise das Bewusstsein verloren. Inzwischen geht es ihm aber wieder relativ gut", erklärte der deutsche Teamarzt Uwe Wegmann. Der Olympia-Achte musste nach dem Drama ins Krankenhaus.

Mit zum Kollaps von Höhne beigetragen hat, dass der dreimalige deutsche Meister durch einen Kampfrichter fehlgeleitet wurde. "Es ist noch viel tragischer. Zusammen mit dem Australier lag er kurz vor Schluss an dritter oder vierter Stelle", berichtete Jürgen Mallow, Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), "beide wurden vom Kampfrichter falsch eingewiesen und mussten einen Umweg von rund 100 Metern gehen." Der DLV hat pro forma Beschwerde beim Weltverband IAAF eingelegt.

Der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit trotzte der Ecuadorianer Jefferson Perez, der das WM-Triple schaffte. In 1:22:20 Stunden war er 20 Sekunden schneller als der zweimalige Europameister Francisco Javier Fernandez (Spanien) und der drittplatzierte Tunesier Hatem Ghoula. Fernandez bekam Silber erst zurück, nachdem ein Protest gegen die Disqualifikation des 30-Jährigen erfolgreich war.

Bartels verfehlt Medaille deutlich

Marathon-Mann Luke Kibet (Kenia), Kugel-Koloss Reese Hoffa (USA) und Lauf-Leichtgewicht Tirunesh Dibaba aus Äthiopien über 10.000 Meter hatten sich gestern die ersten von 47 Goldmedaillen erkämpft. Kugelstoß-Europameister Ralf Bartels bekam dagegen im Ring die Grenzen aufgezeigt und verfehlte als Siebter mit 20,45 Metern die insgeheim ersehnte Medaille deutlich.

Das US-Duo präsentierte sich bärenstark: Hoffa gewann am Samstag mit 22,04 Metern seinen ersten WM-Titel vor dem entthronten Titelverteidiger Adam Nelson (21,61) und dem Weißrussen Andrej Michnewitsch (21,27). "Zu verkrampft alles", schimpfte 140-Kilo-Mann Bartels. Vor zwei Jahren hatte der 29 Jahre alte Neubrandenburger noch WM-Bronze aus Helsinki mitgebracht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben