Sport : Leichtathletik-WM: Marion Jones sitzt wieder in der goldenen Mitte

Jörg Wenig

Endlich saß Marion Jones richtig. "Das hier ist der Goldmedaillen-Stuhl", verkündete sie gleich zu Beginn der Pressekonferenz. "Vor ein paar Tagen saß ich da drüben, jetzt bin ich in der Mitte." In Sydney war die 25-jährige US-Amerikanerin im vergangenen Jahr bei Olympia mit fünf Medaillen die erfolgreichste Athletin, bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Edmonton reichten ihr nun drei, um diese Position wiederum einzunehmen. Nach der Silbermedaille über 100 m und dem Gold über 200 m gewann sie am Sonnabend mit der 4 x 100-m-Staffel in 41,71 Sekunden vor dem deutschen Quartett. Aus Sydney reiste sie mit drei Goldmedaillen und zwei Bronzemedaillen nach Hause, da sie dort auch im Weitsprung und in der 4 x 400-m-Staffel gestartet war.

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In Edmonton galt nach eigenem Bekunden den 200 m und der Sprintstaffel ihre besondere Aufmerksamkeit. Weil sie zuvor noch nie Weltmeisterin über 200 m geworden war.Und "weil wir das letzte Mal die WM-Staffel 1997 gewonnen haben".

Dennoch bleibt der Eindruck, dass sie in den Sprint nicht mehr dominieren kann wie in den Jahren zuvor. "In Sydney war ich so erfolgreich, dass es danach nicht leicht war, wieder auf die Bahn zu gehen", sagte Marion Jones. Zudem sei es so, dass sie mit immer höheren Erwartungen leben musste. "1997 hieß es noch, toll, Marion hat gewonnen. Ein Jahr später wurde das als normal erwartet, und 1999 und 2000 war es ein Problem, wenn ich nicht mit mehreren Metern Vorsprung ins Ziel kam. Immer heißt es dann, Marion Jones hat ein Problem - aber ich habe kein Problem. Mir ging es hier einfach nur um den Sieg."

Um vollkommen zufrieden zu sein mit der WM, hätte sie allerdings "schon vor ein paar Tagen auf diesem Stuhl hier sitzen müssen", wie Marion Jones einräumt. Andererseits hat sie nun insgesamt seit 1997 schon fünf WM-Titel gesammelt. Über 100 m hatte sie in Edmonton, überraschend geschlagen von der Ukrainerin Shanna Pintusewitsch-Block, zum ersten Mal mit der Silbermedaille zufrieden sein müssen. Dass sie das stärker getroffen hat, beweist ihre Ankündigung, beim Golden-League-Meeting am Freitag in Zürich die 100 m für sich entscheiden zu wollen. Das folgende Sportfest in Brüssel und die Goodwill Games in Australien sind ihre nächsten Rennen. Das Istaf in Berlin steht nicht auf ihrer Liste. So wird das Golden-League-Finale am 31. August wohl ohne sie stattfinden.

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