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Leichtathletik-WM : Nur ein Segway ist schneller als Usain Bolt

Erst distanziert Usain Bolt seinen Widersacher Justin Gatlin auf seiner Lieblingsstrecke über 200 Meter deutlich. Anschließend wird der Doppel-Weltmeister aus Jamaika von einem Segway über den Haufen gefahren.

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Usain Bolt (links) holte am Donnerstag sein zweites Gold in Peking.
Usain Bolt (links) holte am Donnerstag sein zweites Gold in Peking.Foto: Reuters

Spätestens auf der Ehrenrunde waren alle Zweifel beseitigt, die alten Kräfteverhältnisse wieder hergestellt. Ein Schwarm von Fotografen versuchte, mit Usain Bolt Schritt zu halten und jede noch so kleine Geste des Jamaikaners für die Ewigkeit zu konservieren. Ein paar Meter dahinter trottete Justin Gatlin über die Laufbahn. Ein einziger Kameramann war bei ihm geblieben, um den US-Amerikaner zu filmen. Viel war gesprochen und geschrieben worden über das große Duell zwischen Bolt und Gatlin bei dieser Leichtathletik-WM, am Donnerstagabend wurde aus dem Zweikampf wieder eine Solo-Show. Usain Bolt distanzierte Gatlin über 200 Meter in 19,55 Sekunden deutlich und gewann seinen vierten WM-Titel auf seiner Lieblingsstrecke. Dem US-Amerikaner blieb in 19,74 Sekunden Silber, Bronze ging in 19,78 Sekunden an den jungen Südafrikaner Anaso Jobodwana.

„Der Sieg bedeutet mir sehr viel“, sagte Bolt. „Die 100 Meter sind für die Leute und für meinen Coach. Die 200 Meter aber sind für mich und wichtiger als alles andere.“ Es ist Bolts insgesamt zehntes WM-Gold – und die Fortsetzung einer nahezu unheimlichen Serie. Der Jamaikaner hat seit dem Beginn von Olympia 2008 keinen Endlauf bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen verloren. Bei der WM 2011 in Daegu hatte er über 100 Meter nur den Sieg verpasst, weil ihm ein Fehlstart unterlief. Aus diesem Flüchtigkeitsfehler hat der 29-Jährige gelernt: Mittlerweile scheint Usain Bolt die perfekte Kombination aus Lockerheit und Konzentration gefunden zu haben. Wenn es um Titel geht, wirkt er unschlagbar.

Ein Kameramann auf einem Segway fährt Bolt über den Haufen

Am Sonntag hatte Bolt über 100 Meter Gatlin nur mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung besiegt – die knappe Niederlage schien den 33 Jahre alten Sprinter aus Brooklyn aber mitgenommen zu haben. Vor dem gestrigen Start wirkten seine Gesten in Richtung Kameras und Publikum weniger selbstbewusst und aggressiv als zuvor. Bolt hingegen grinste über das ganze Gesicht. Nach einem guten Start schoss der Jamaikaner als Führender aus der Kurve auf die Zielgerade, Gatlin kam nicht mehr heran. Als Bolt die Ziellinie überquerte, deutete er mit beiden Daumen auf seine Brust.

Bolt atmete nach seinem Sieg zwar schwer, zog aber trotzdem sein komplettes Show-Programm ab: Er zog seine Schuhe aus, knotete sich eine jamaikanische Flagge um den Hals, küsste die Tartanbahn und kletterte sogar ins Publikum, um Fotos zu machen und Autogramme zu schreiben. Die Anwesenheit des Weltstars schien zu viel für einige Anwesende zu sein: Ein junger chinesischer Fan rannte auf ihn zu und wurde von Sicherheitsleuten abgewehrt, ein Kameramann verlor die Kontrolle über sein Segway-Gefährt und fuhr Bolt komplett über den Haufen. „Ich versuche jetzt, das Gerücht in Umlauf zu bringen, dass der Typ von Justin Gatlin bezahlt wurde“, scherzte Bolt, der mit ein paar Kratzern davon kam. Gatlin nahm den Witz gerne auf: „Ich will mein Geld zurück! Der hat da etwas falsch verstanden. Er sollte das vor dem Rennen machen. Nicht danach.“

Beide schienen glücklich darüber zu sein, dass die Hackordnung in der Welt des Sprints wieder eindeutig hergestellt ist. Wenn es nach Bolt geht, wird sie bis zu den Olympischen Spielen im kommenden Sommer bestehen bleiben – mindestens. „Mein Sponsor möchte, dass ich nach Rio noch ein Jahr weitermache“, erklärte der Rekordweltmeister. „Aber mein Coach hat gesagt, dass das nur sinnvoll ist, wenn ich fokussiert und mit ganzem Herzen dabei bin. Ich kann also nicht sagen, was noch kommt.“

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