Sport : Leichtathletik-WM: Olympiasieger in der Klemme

Jörg Wenig

Jos Hermens nahm es gelassen. Gerade hatte Nils Schumann als Fünfter das Ziel erreicht. Sein Ziel, seine erste WM-Medaille über 800 m zu gewinnen, hatte der Olympiasieger damit verpasst. "Für die Planung ist das nicht schlecht - so glaubt er nicht, dass er schon alles erreicht hat", sagte Schumanns Manager Hermens und dachte schon mal ganz weit voraus: "Das ist gut für die WM 2007 in Berlin!"

Zum Thema Fotos von der Tartanbahn: Die Leichtathletik-WM in Bildern
Schumann nahm sein Ergebnis weniger gelassen. Auf einer Strecke von 100 Metern lief er an sämtlichen Mikrofonen vorbei, die ihm entgegengestreckt wurden. Erst nachdem er im Zelt hinter dem Stadion seine Sachen gepackt hatte, gab der 23-Jährige ein Statement: "Das war Mist!" Schumann ärgerte sich über den Verlauf des Rennens, bei dem schon nach 180 Metern eine Vorentscheidung gefallen war. Zu diesem Zeitpunkt war der Erfurter in der Innenbahn eingeklemmt und lag an siebenter Stelle. Vorne machte der Kenianer Wilfred Bungei Tempo und zog den großen Favoriten André Bucher hinter sich her. "Ich war die ganze Zeit eingeklemmt. Und mit einem Schritt zur Seite herausgehen und dann außen vorbeilaufen - dafür war das Tempo zu hoch", sagte Schumann. 110 Meter vor dem Ziel lag er an letzter Stelle. Dann erst taten sich Lücken auf, und der Olympiasieger stürmte immerhin noch auf Rang fünf in 1:45,00 Minuten.

Weltmeister Bucher war nach 1:43,70 im Ziel. Der Schweizer, der bei der Europameisterschaft 1998 und den Olympischen Spielen 2000 von Nils Schumann im Spurt geschlagen worden war, hatte zum ersten Mal einen großen Titel gewonnen. "Das ist für mich hier keine Revanche für Sydney 2000 gewesen - dort hat der Beste gewonnen", sagte Bucher. "Das hier war ein anderes Rennen. Aber auch Nils Schumann hat mit seinem fünften Platz bewiesen, wie stark er ist."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben