Sport : Leichter Sieg und schwerer Verdacht

Bayer Leverkusen gewinnt 2:0 beim VfB Stuttgart und diskutiert über Vorwürfe der Manipulation

Oliver Trust[Stuttgart]

Über das Gesicht von Wolfgang Holzhäuser huschte ein Lächeln, das nicht zur Stimmung rund um den Fußballklub Bayer Leverkusen passte. Als der Bayer-Tross im Daimler-Stadion in Stuttgart zur Bundesligapartie gegen den VfB Stuttgart eintraf, warteten schon Fernsehteams auf den Geschäftsführer. Manager Rudi Völler lief nachdenklich mit gesenktem Kopf durch die Gegend, daran änderte auch der 2:0-Sieg beim VfB Stuttgart wenig. Die Meldungen von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ über Manipulations-Vorwürfe hatten die Dienstreisenden vom Rhein längst eingeholt. Der Verdacht lautet: Bei mehreren Partien Leverkusens soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein.

Fest steht, dass die Kölner Staatsanwaltschaft derzeit dem Verdacht nachgeht, wonach in der Bundesliga-Saison 2002/2003 drei Spiele manipuliert worden sein könnten, an denen die damals abstiegsbedrohten Leverkusener beteiligt waren. „Wir haben Hinweise mit Substanz, wir müssen dem nachgehen“, erklärte der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld. „Das ist mehr als Gerede, mehr als Gerüchte.“ Der Verdacht ist im Zuge der Ermittlungen gegen den früheren Bayer-Manager Reiner Calmund aufgekommen, der dem Spielerberater Volker Graul 580 000 Euro aus der Klubkasse für Kaufoptionen auf ausländische Talente gezahlt haben will. Bei den drei Partien soll es sich um Leverkusens Heimspiele gegen Arminia Bielefeld (3:1) und 1860 München (3:0) sowie das Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg (1:0) handeln.

Holzhäuser, derzeit in einen Machtkampf mit Calmund verstrickt, zeigte sich „verwundert“ über die Aussagen der Staatsanwaltschaft. „Mir ist nur bekannt, dass es Ermittlungen wegen vermeintlicher Untreue gibt, die inzwischen auf Herrn Graul ausgedehnt wurden.“ Er halte die Vorwürfe für ungerechtfertigt. „Manipulationen sind mir in dieser Form nicht bekannt“, sagte Holzhäuser.

Laut „Spiegel“ soll der ehemalige Bayer-Manager Reiner Calmund in einem Gespräch mit Verantwortlichen in Leverkusen am 26. Mai 2004 jedoch genau das angedeutet haben. Aus einem Schriftsatz von Bayer-Anwalt Walther Graf gehe hervor, dass Calmund von Volker Graul, der heute als Spielerberater tätig ist, angesprochen worden sei. Dabei soll die Formulierung, dass da „etwas zu machen sei“, gefallen sein. Schon vor zwei Wochen war es um die 580 000 Euro für Graul gegangen. Damals hieß es, der damalige Bielefelder Spieler Ansgar Brinkmann habe von der Zahlung an seinen Berater Graul direkt profitiert, was sich als haltlos erwies. Nun soll die Bayer AG vorsorglich ein Rechtsgutachten beim Bayreuther Rechtswissenschaftler Harro Otto eingeholt haben, in dem die juristischen Konsequenzen einer möglichen Schiebung dargelegt wurden.

Zumindest sportlich gab es für Bayer am Samstag positive Nachrichten. Trotz der Krisentage landete die Mannschaft von Trainer Michael Skibbe mit dem 2:0 ihren neunten Saisonsieg und darf sich nun sogar wieder vage Hoffnungen auf das Erreichen eines Uefa-Cup-Platzes machen. Paul Freier (30.) und Dimitar Berbatow (88.) erzielten vor 32 000 Zuschauern die verdienten Tore für den stets dominanten Klub.

Für den VfB Stuttgart ist die fünfte Saisonniederlage ein Rückschlag. Es war zugleich die zweite Liga-Niederlage für Trainer Armin Veh, der nun kaum noch Chancen hat, über das Saisonende hinaus einen Vertrag in Stuttgart zu bekommen. Am Ende eines turbulenten Nachmittags stand zumindest bei Leverkusens Trainer Michael Skibbe ein ehrliches Lächeln. „Wir haben uns heute zurückgemeldet. Was im Umfeld passiert, interessiert uns nicht", sagte Skibbe – und lachte.

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