Leiden am Fussball : Eine harte Woche für den Hertha-Fan

Es ist in diesen Tagen nicht einfach, Fan von Hertha BSC zu sein und sich dazu zu bekennen. André Görke blickt auf eine unbefriedigende Woche zurück.

André Görke

Sonntag: Ich habe echt keine Lust mehr, null, nüschte. Keinen Bock mehr auf Kurzpassmist, auf  Niederlagen gegen Abstiegskandidaten und schon gar nicht immer wieder gegen Cottbus. Jetzt also 0:1. Ist mir echt zu blöd mit Hertha.

Montag: Die lieben Kollegen. Mal gibt’s Häme („Bist ja so still!“), mal warme Worte („Sieh’s mal so: Wir spielen mit Union in der Dritten Liga“), mal völliges Unverständnis: „Ist doch nur Fußball.“ Quatsch. Ich gehe seit 19 Jahren zu Hertha, es geht schon lange nicht mehr nur um Fußball.

Dienstag: Habe von Dieter Hoeneß geträumt, der was von „Übergangssaison“ erzählte. Bin leicht irritiert: War das jetzt ein Zitat aus dem Jahr 2008? Oder war es 2007? 2006? 2005? 2004? 2003? 2002?

Mittwoch: 0:0 in Dublin, ein grausamer Fußballabend. Mit Glück sei man weiter, schreiben die Zeitungen. Das ist maßlos übertrieben: Selbst wenn Dublin ein Tor geschossen hätte, wären wir weiter gewesen. Ärgere mich, dass ich schon Niederlagen als Verteidigung in Betracht ziehe.

Donnerstag: Verzweifle beim Gedanken daran, als Opa feststellen zu müssen, nie etwas mit Hertha gewonnen zu haben. Abends beim Bier frotzelt ein Kumpel von Tennis Borussia, doch mal wieder ins Mommsenstadion zu gehen. Und spät nachts ätzt ein anderer in der Karaokebar: „Sing mal Frank Zander!“. Ich gehe schnell nach Hause.

Freitag: Endlich Ruhe, keine Negativschlagzeilen. Auf dem Display blinkt eine SMS, die Bahn hat geschrieben. „Gute Reise“, wünscht sie. Ach, ja. Habe gestern Abend trotzig die Fahrt zum Auswärtsspiel nach Leverkusen-Mitte bestellt. Alleine. Da muss ich jetzt durch. 



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