Sport : Leiden in Lissabon

Deutschlands Handballer unterliegen im WM-Finale 31:34 gegen Außenseiter Kroatien

Erik Eggers

Lissabon. Das Finale um die 18. Handball-Weltmeisterschaft war noch nicht beendet, da vergrub Florian Kehrmann sein Gesicht tief in sein Trikot und vergoss Tränen der Trauer. Auch seine jungen Teamkollegen Pascal Hens und Marco Grimm weinten, weil sie alle wussten: So ein Finale kommt nicht so schnell wieder. Sie hatten zwar gekämpft wie in den Spielen zuvor. Doch nun war sie vergeben, die große Chance, nach 25 Jahren einmal wieder die begehrteste Handball-Trophäe der Welt nach Deutschland zu holen. Mit 31:34-Toren verloren die deutschen Handballer das Endspiel vor 10 000 Zuschauern im Pavilhao Atlantico am Ende gegen den Außenseiter Kroatien.

„Es wird ein bisschen dauern, bis man die Enttäuschung verdaut“, sagte der verletzte Kopf der deutschen Mannschaft, Volker Zerbe, „aber dann werden alle merken: Es ist doch ein großer Erfolg.“ Kämpferisch gab sich Kapitän Markus Baur: „Wir kommen wieder.“

Im Gegensatz zu den Spielen zuvor wurde die deutsche Mannschaft vor diesen finalen 60 Minuten als Favorit gehandelt, obwohl sie stark ersatzgeschwächt antreten musste. Neben den bereits schwerwiegenden Ausfällen von Daniel Stephan (Lemgo) und Frank von Behren (Lübbecke) fielen auch noch die ebenfalls nicht zu ersetzenden Stammspieler Stefan Kretzschmar (Magdeburg) und Volker Zerbe (Lemgo) aus. Doch Kroatien trug schwer am Halbfinale. Gegen die favorisierten Spanier hatte die Mannschaft beim 39:37-Sieg über zwei anstrengende Verlängerungen gehen müssen. Die Kroaten waren vor diesem Turnier als große Unbekannte gehandelt worden. Nur drei Spieler sind von der Mannschaft des Olympiasiegers von 1996 übrig geblieben: Torwart Matosevic, Kreisläufer Jovic und Kapitän Goluza. Doch nach einer Auftaktniederlage gegen Außenseiter Argentinien und einem Remis gegen Russland spielten die Kroaten immer besser auf und bezwangen zuletzt die jeweils höher eingestuften Franzosen, Ägypter, Dänen und Spanier. Eine Überraschungsmannschaft ist Weltmeister geworden.

Bei den Deutschen machte sich speziell in der Abwehr das Fehlen von Zerbe bemerkbar, zumal Mittelblock-Ersatz Mark Dragunski nach zwei schnellen Zeitstrafen eine Rote Karte befürchten musste. Dazu erreichten die beiden Torhüter Fritz und Ramota bis zum 18:20-Pausenrückstand nie die herausragende Form der letzten Spiele.

Erneut legte die deutsche Mannschaft danach eine sensationelle Einstellung an den Tag, wie schon beim dramatischen 23:22- Sieg gegen den Titelverteidiger aus Frankreich. Auch im Endspiel konnte die deutsche Mannschaft nämlich nach der Pause mit einer großen Energieleistung noch einmal mit 24:23 in Führung gehen. Auch einen erneut folgenden Vier-Tore-Rückstand holten die Deutschen auf. Doch dann wurde endgültig das Fehlen der Routiniers deutlich, als nacheinander die Wallauer Weber, Rose und Immel große Einwurfmöglichkeiten vergaben. Auch Kapitän Markus Baur konnte das Spiel nicht mehr ordnen.

Es fehlte nun an Cleverness, es fehlte nun an Ruhe im deutschen Spiel nach vorne, und auch die Abwehr und die Torleute erreichten nicht die Form der bisherigen WM-Spiele. Diesmal reichte das enorme Durchsetzungsvermögen nicht, das die Deutschen schon in den vorangegangenen Spielen ausgezeichnet hatte. Das Märchen von einer Mannschaft, die ausgezogen war, um Niederlagen zu verweigern – es hat in Lissabon kein Happy End gefunden.

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