Sport : Leipziger Allerlei

Die Probleme des deutschen Kandidaten für Olympia 2012

Friedhard Teuffel

Am Wochenende hat sich die Leipziger Olympiabewerbung wieder einmal mit sich selbst beschäftigen müssen. Der Wehrdienst des Geschäftsführers der Bewerbungsgesellschaft, Dirk Thärichen, beim Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ löste die nächste unangenehme Diskussion aus. Dabei hat die Leipziger Olympiabewerbung schon einen unruhigen Sommer hinter sich mit einer Reihe von zum Teil selbst gemachten Problemen. Was alles schon zum Streitfall wurde:

Der zweite Geschäftsführer: Klaus Steinbach wollte Geschäftsführer Dirk Thärichen einen Kollegen zur Seite stellen, der alles erfüllt, was Thärichen fehlt. Vor allem sollte er das Profil eines westdeutschen Sportmanagers haben, also intensive Kontakte zur Wirtschaft, aber auch Erfahrung im Spitzensport. Dabei glaubte der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees mit Mike de Vries den Richtigen gefunden zu haben. De Vries war zuvor Geschäftsführer des Deutschen Hockey-Bundes. Nur hatte Steinbach die Leipziger nicht rechtzeitig mit de Vries bekannt gemacht. Zwar stimmte niemand gegen ihn, aber auf einmal machte sich bei den Leipzigern Unmut gegen die soeben getroffene Entscheidung breit. Schließlich wollten die Leipziger de Vries nicht mehr. Der Fall eskalierte, als der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, erklärte, de Vries werde seine Arbeit nicht am 1. Juli aufnehmen. Steinbach war zu diesem Zeitpunkt gerade im Urlaub. Eine Krisensitzung im Bundesinnenministerium am 27. Juni konnte noch einmal das Schlimmste abwenden, aber es blieben Schrammen: bei de Vries, der zwar am 1. Juli anfangen durfte, aber irgendwann zur Deutschen Sport-Marketing wechseln soll; bei Steinbach, der offenbar im Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee nicht immer einen Partner, sondern manchmal auch einen Gegenspieler hat; und bei der Bewerbung insgesamt, die ein uneinheitliches Bild nach außen abgab.

Das Sportstättenkonzept: Spiele für Sachsen hatte Leipzig versprochen, aber viele Sachsen doch enttäuschen müssen. Vor allem die Bürger Riesas, die auf alle Kampfsportentscheidungen gehofft hatten. Doch der Druck der Sportfunktionäre war zu groß, ein kompaktes Konzept nach dem Vorbild der Hamburger Bewerbung entwickeln zu müssen. Leicht wurde den Leipzigern die Verschlankung auch dadurch nicht gemacht, dass der Olympia-Staatssekretär des Freistaates Sachsen, Wolfram Köhler, vorher Riesas Oberbürgermeister war. Nach wochenlangen Diskussionen bestimmte der Aufsichtsrat Ende August, dass 97 Prozent aller Entscheidungen innerhalb von zehn Kilometern stattfinden sollen. Nur die Medaillen der Reitwettbewerbe werden außerhalb vergeben, in Dresden. Für Riesa, Halle und Chemnitz bleiben Vorrundenspiele des Fußballturniers sowie das olympische Jugendlager.

Die Bettenkapazität: Bei allem Charme, den Olympische Spiele in einer 500 000-Einwohner-Stadt haben: Gleich nach der Entscheidung am 12. April für Leipzig wurde die Stadt mit einem ihrer größten Defizite konfrontiert, der Kapazität an Hotelbetten. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) fordert 42 000 Betten, Leipzig konnte aber nur 25 000 bieten. Ende August verabschiedete der Aufsichtsrat der Bewerbungsgesellschaft ein neues Konzept, das innerhalb eines 50-Kilometer-Radius 42 970 Betten in Drei- bis Fünf-Sterne-Kategorien vorsieht. Die bestehende Lücke soll durch 9500 „Stadtwohnungen für Olympia“ in sanierten Altbauten geschlossen werden.

Der Schutz der olympischen Ringe: Das IOC macht den rechtlichen Schutz der olympischen Symbole zur Bedingung einer Olympiabewerbung. Die Bundesregierung hat zwar schon einen Gesetzentwurf eingebracht, doch tauchen im Leipzig immer wieder olympische Ringe auf, sei es auf einer Straßenbahn oder auf Teddybären im Schaufenster. Nun wird Leipzig verstärkt am olympischen Markenschutz arbeiten müssen, unterstützt durch das bald kommende Bundesgesetz, aber behindert durch die Wuppertaler Vermarktungsagentur BSA, die in Leipzig bei einem Gewinnspiel die olympischen Ringe verwenden und mit Aufklebern an bis zu 300 000 Autos anbringen lassen will.

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