Leipziger Krawalle : Lok im Schatten der Vergangenheit

Der 1. FC Lok Leipzig eilt von Aufstieg zu Aufstieg, wird die Krawallmacher dabei aber einfach nicht los. Ab Mittwoch werden die Krawalle vom Februar vor Gericht verhandelt.

Matthias Koch[Leipzig]

Der Termin kommt für Steffen Kubald ziemlich ungelegen. Da bemüht sich der Präsident des Fußball-Bezirksligisten 1. FC Lok Leipzig seinen Klub in ein gutes Licht zu stellen, aber dann holt ihn eben doch die Vergangenheit wieder ein. Wie jetzt. Kubald selbst redet nicht mehr so gern über die Ausschreitungen vom 10. Februar 2007. Da traf Lok Leipzig im Landespokal auf Erzgebirge Aue II. Ein Spiel, das Kubalds Verein im gesamten Bundesgebiet in Misskredit brachte. „Danach ist doch nichts mehr passiert. Oder haben Sie etwas in der Zeitung gelesen?“, fragt Kubald. „Wir arbeiten vernünftig mit der Polizei und der Stadt zusammen. 22 Mitglieder haben wir ausgeschlossen.“

Über die Straßenschlachten seinerzeit vor dem Bruno-Plache-Stadion, bei denen 39 Polizisten verletzt wurden, wird jedoch von diesem Mittwoch an noch einmal ausgiebig geredet. Vor dem Amtsgericht Leipzig beginnt nämlich um 12.30 Uhr der erste Prozess gegen einen Hooligan, der an der Randale Anfang Februar beteiligt gewesen sein soll. „Dem Angeklagten wird Landfriedensbruch und versuchte schwere Körperverletzung vorgeworfen“, sagt Richterin Claudia Eppelt-Knochenstiern. Andre N., Jahrgang 1985, soll zwei Steine auf Beamte geschleudert haben. Das Thema begleitet den 1. FC Lok auch danach weiter: Die Staatsanwaltschaft Leipzig wird in den nächsten Monaten elf mutmaßliche Täter vor dem Amtsgericht anklagen. Die nächsten Verhandlungen sind terminiert für den 26. Juni, 23. und 27. Juli sowie den 3. August.

Aufstieg in die Landesliga machbar

Für Lok Leipzig ging das Leben am 10. Februar weiter. Business as usual. Sogar sehr erfolgreich. Die Mannschaft gewann den Stadtpokal. Am Sonnabend können die Nachfahren des früheren DDR-Spitzenklubs den Aufstieg in die Landesliga Sachsen schaffen. „Zum Spiel gegen den FC Bad Lausick erwarten wir im Plache-Stadion rund 7000 Zuschauer“, sagt Vereinsboss Kubald. Spitzenreiter Lok hat zwar nur zehn Tore Vorsprung auf Verfolger SV Naunhof. Mit einem Heimsieg würden die Leipziger jedoch aus eigener Kraft den Sprung in die fünfte Liga realisieren. Gemessen an der jüngeren Vergangenheit wäre dies ein weiterer Achtungserfolg.

Nach der wirtschaftlich bedingten Liquidierung des Vorläufers VfB Leipzig in der Spielzeit 2003/2004 hatte sich der Verein als 1. FC Lokomotive Leipzig neu gegründet. Trotz des Absturzes von der vierten in die elfte Liga entwickelte sich der Klub in den letzten drei Jahren zum zuschauerträchtigen Kultverein, der im Falle eines erfolgreichen Saisonabschlusses in drei Jahren sechs Spielklassen gut gemacht hätte. Die Ligen neun und acht hatte der Verein durch eine Fusion im Sommer 2005 übersprungen. „Unser Ziel ist die Landesliga“, verkündet Kubald.

Neuerliche Krawalle nicht ausgeschlossen

Im Gegensatz zu den über 5000 friedlichen Lok-Fans, die am vergangenen Freitag im Leipziger Zentralstadion den wichtigen 2:1-Sieg über Blau-Weiß Leipzig bejubelten, gab Steffen Kubald allerdings ein schlechtes Vorbild ab. Der frühere Fanbeauftragte des Klubs mit Hooligan-Vergangenheit attackierte in der spannenden Schlussphase verbal gegnerische Spieler wegen Zeitschinderei. Dabei hatte er sich, wutschnaubend und natürlich unerlaubt, bis auf die Torlinie vorgewagt. „Das sind Emotionen. Eigentlich wollte ich gar nicht im Innenraum sein“, versuchte Kubald, sich zu entschuldigen. „Aber es gab ja keine Ballholer.“

In der Landesliga Sachsen wird es diese Ballholer hoffentlich geben. Denn im Aufstiegsfall warten auf Kubald und die Fans die zweiten Mannschaften von Sachsen Leipzig, Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden. Allesamt Risikospiele, neuerliche Krawalle nicht ausgeschlossen.

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