Sport : Leipzigs olympische Zusatzchance IOC-Präsident Rogge besucht

die deutsche Bewerberstadt

-

Leipzig (dpa). Mit viel Herz und Fingerspitzengefühl will sich Leipzig an diesem Montag beim Besuch von Jacques Rogge präsentieren. Auch wenn es sich lediglich um einen privaten Arbeitsbesuch des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) handelt, sehen dies die Macher der deutschen OlympiaBewerbung für 2012 als Zusatzchance im Hinblick auf den 18. Mai. An diesem Tag entscheidet die Exekutive des IOC in Lausanne, welche der neun Bewerberstädte als offizielle Kandidaten ins Rennen gehen dürfen. „Wir werden Leipzig zeigen, wie es ist. Wie es sich in 14 Jahren grandios entwickelt hat, aber auch noch Schattenseiten besitzt“, sagt Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee.

Dieser will dem ranghöchsten Repräsentanten des Weltsports vor allem Meilensteine seiner Stadt „sehr dicht und handfest“ zeigen. So ist ein Abstecher zur Neuen Messe geplant, ein Besuch der Elster-Lofts, wo Rogge Eindrücke der alternativen Beherbergungsmöglichkeiten erhalten soll. Die Unterbringung mit der Schaffung von 9500 Zimmern in 48 „Residence Hotels“ und der Transport sind die kritischen Punkte der Leipziger Bewerbung.

Um auch ein Bild ihrer Kompaktheit, der kurzen Wege und der vorhandenen Infrastruktur vermittelt zu bekommen, soll der IOC-Präsident vom Hubschrauber aus auch den Olympia-Park mit dem neu erbauten Zentralstadion sowie das Areal des zukünftigen Olympischen Dorfes in Augenschein nehmen dürfen. Dazu werden dem Belgier drei alternative Entwürfe bekannter Architektenbüros für das Athleten-Dorf vorgestellt.

Rogges Aufenthalt in Leipzig nur wenige Wochen vor dem entscheidenden Termin in Lausanne passt den deutschen Bewerbern gut in den Terminkalender. „Wir wollen ihm das Gefühl geben, dass hier alles funktioniert“, sagt Geschäftsführer Mike de Vries von der „Leipzig 2012 GmbH“. Nicht ganz gelegen kommt er für den IOC-Präsidenten. Die Mitbewerber aus Paris, London, Madrid, Moskau, Istanbul, New York, Rio de Janeiro und Havanna werden genau registrieren, was der Belgier sagt, wie er sich zeigt. Aus diesem Grund präsentiert sich Rogge in der Öffentlichkeit nur mit einem kurzen Statement, einer Pressekonferenz hat er nicht zugesagt.

So ist der IOC-Präsident wohl eher zufrieden, dass ein zunächst geplantes Treffen in Leipzig mit Gerhard Schröder nicht zu Stande kommt. Der Kanzler empfängt am Montag in Berlin Staatsgäste. Doch es soll ein Telefongespräch mit Schröder geben, am Montag pünktlich um 18.20 Uhr. Politisch vertreten wird Schröder von Innenminister Otto Schily, der zusammen mit Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt und anderen Persönlichkeiten mit Rogge und dessen Frau speisen wird. Rogges Aufenthalt in Leipzig wird nicht mal 24 Stunden dauern. Am Dienstagvormittag wird er die Stadt wieder verlassen.

Trotz ihres alternativen Konzeptes, das sie als Alternative zu den Metropolen-Mitbewerbern darstellen wollen, wissen die Leipziger um einige Schwachstellen, de Vries beschreibt sie als „Herausforderungen“. Diese will man bei der Visite auch „mit den großen Traditionen der kulturvollen Bürgerstadt“ (Tiefensee) wettmachen. „Der Besuch wird das Bild der IOC-Exekutive im Hinblick auf den 18. Mai abrunden“, meint der Oberbürgermeister, der nicht an die Unwissenheit Rogges über Leipzig glauben will. „Er weiß mehr, als wir alle denken“, sagt der SPD-Politiker.

0 Kommentare

Neuester Kommentar