Sport : Leise präsent

Wie Dirk Nowitzki sich in seiner Heimatstadt Würzburg engagiert

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Von Natalie Gress

Würzburg, Frankfurter Straße 87. Hier, am Rande der Stadt, entsteht in einem alten Fabrikgebäude, das früher eine Brauerei beherbergt hat, das Nike-Center. Es soll langfristig Europas größtes Förderzentrum für den Basketball-Nachwuchs werden; eine Zweifachturnhalle ist bereits bespielbar.

Die fränkische Provinz als Sprungbrett zur großen Welt, so ist es gedacht.

Dirk Nowitzki hat vor dreieinhalb Jahren genau diesen Sprung geschafft, aus Würzburg direkt in die nordamerikanische Profiliga NBA zu den Dallas Mavericks. Heute ist er Deutschlands populärster Basketballer. Seine Wurzeln hat er darüber nicht vergessen. In seiner Heimatstadt unterstützt Dirk Nowitzki das Zentrum mittels einer Stiftung finanziell, um Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, kostenlos Basketball zu spielen. Jeder kann kommen, auch Förder-Camps werden hier abgehalten. Darüber hinaus ist auf lange Sicht die Errichtung eines Internats geplant. Schirmherren des Projekts sind Dirk Nowitzkis Vater Jörg und sein Mentor Holger Gschwindner.

Wenn Nowitzki vor Ort ist, geht auch sein Engagement über Finanzspritzen hinaus. Dann trainiert er mit den Jugendlichen. Dabei geht es überraschend beschaulich zu. „Dirk versucht eben, in der Öffentlichkeit möglichst bescheiden aufzutreten“, sagt Oli Barteck, der Betreiber des Fitnessstudios im Center. Der Star will nicht Werbeträger für heilige Nowitzki-Hallen sein, ebenso wenig will er sich ein Denkmal setzen. Seine Spuren aber wird er in diesem Nachwuchszentrum allemal hinterlassen.

Seinem alten Verein aber hilft der Glanz des ns Nowitzki nicht mehr weiter. Seine Eltern helfen noch in der Profi-Abteilung des Klubs mit, Dirk Nowitzki selbst beschränkt die Verbindung zum Bundesligateam s.Oliver Würzburg auf seine Freundschaft mit Burkhard Steinbach, seinem letzten alten Basketball-Kumpel, der noch in Würzburg spielt. Seine Freunde Robert Garrett, Marvin Willoughby und Demond Greene haben den Verein verlassen, neue Spieler wurden eingekauft. Vor zwei Tagen hat Würzburg noch Edis Subasic vom Liga-Konkurrenten Brandt Hagen geholt. Der 28 Jahre alte Bosnier ist sofort spielberechtigt.

Mit dem Konzept, die Bundesliga-Mannschaft nicht mehr vorwiegend aus der eigenen Jugend zu rekrutieren, könne er sich nicht identifizieren, hat Nowitzki vor kurzem gesagt. Deswegen unterstützt er lieber den Nachwuchs als das finanzschwache Bundesligateam. Dort hätte man sich „eine neutralere Haltung" von Nowitzki erwartet, sagt Würzburgs Manager Wolfgang Malisch. „Es sind Leute von außen an uns herangetreten und haben gefragt: Warum sollen wir euch sponsern, wenn der Dirk schon sagt, der Verein taugt nichts." Finanzieller Zuspruch von Nowitzki wäre erwünscht. „Aber wir hoffen auch unabhängig davon, dass sich der Kontakt zu ihm wieder verstärkt, nachdem der Verein auch einen Beitrag zu seiner Karriere geleistet hat", sagt Malisch.

Wenn das Team von Alba Berlin heute Abend in der Heimatstadt von Deutschlands Basketballer Nummer eins zum Saisonauftakt antritt, wird es beim Gastgeber auf viele neue Namen treffen, die mit der Ära Nowitzki in Würzburg nichts mehr zu tun haben. Nowitzkis altes Trikot mit der Nummer 14 wird dennoch keiner der Würzburger tragen. Es wird nicht mehr vergeben. „Das ist keine Ehrerbietung", sagt Manager Malisch, „es ist einfach eine Geste an Dirk." Die offensichtliche Verehrung von Stars symbolisieren riesige Plakate dreier NBA-Heroen, die an der Wand der neuen Zweifachturnhalle des Nike-Centers prangen. Dirk Nowitzki ist nicht darunter. Vielleicht ist er zu wenig egozentrisch. Auf jeden Fall bedarf es für ihn keinen Kultes, um präsent zu sein. Nicht hier, in diesem alten Fabrikgebäude in der Frankfurter Straße 87 in seiner Heimatstadt Würzburg. Und vermutlich auch nirgendwo sonst.

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