Sport : Leises Lebenszeichen

Trotz des 2:2 beim FC Schalke 04 rutscht der 1.FC Kaiserslautern ans Tabellenende

Richard Leipold

Gelsenkirchen . Die Millionenforderungen des Finanzamts haben beim 1. FC Kaiserslautern zusätzliche Existenzangst hervorgerufen. Wie mancher Bürger, der Ärger mit den Steuerbehörden hat, kann der frühere Vorzeigeklub aus der Pfalz oft nicht einmal den Samstagnachmittag im Stadion genießen. Statt Zerstreuung rufen die Bundesligaspiele der Pfälzer in dieser Saison zumeist Frust hervor. Die Fans des FC Schalke 04 sahen sich durch das sportliche und wirtschaftliche Elend der Lauterer zu voreiligem Spott veranlaßt. „Wir sammeln Dosenpfand für Lautern." Beim 2:2 in Gelsenkirchen bekamen die Pfälzer als Draufgabe sogar einen Punkt im Abstiegskampf – als Lohn für ihre Moral und ihre Geduld. Verteidiger Harry Koch erzielte den Ausgleich erst in der Nachspielzeit. Dass dieses Tor so spät gefallen ist, freue ihn besonders, sagte Eric Gerets, der Trainer des 1. FC Kaiserslautern, der auf die zuletzt nur verbal auffälligen Stars Mario Basler und Ciriaco Sforza verzichtet hatte.

Seine Mannschaft habe spielerisch zwar nicht überzeugt, kämpferisch dafür umso mehr. „Schalke war besser als wir", gab Gerets zu, „aber ein kleiner Schritt nach vorn ist auch ein Schritt.“ In der Tabelle wirkte sich der Fortschritt fürs Erste allerdings als Rückschritt aus. Da Cottbus Bochum bezwang, fiel der FCK auf den letzten Platz zurück.

Die Schalker wiederum versäumten den nächsten Schritt nach oben. Nach dem Erfolg in Wolfsburg bereiteten sie ihrem Anhang in der ausverkauften Arena erneut eine Enttäuschung. Der letzte Heimsieg der Gelsenkirchener liegt vier Monate zurück. „Wir haben ordentlich gespielt", sagte Trainer Frank Neubarth, „aber es ist tragisch, dass wir zu Hause wieder nicht gewonnen haben.“

Die Hoffnung des 1. FC Kaiserslautern, mit Gemeinsinn und Kampfkraft der Angst zu trotzen, schien sich früh als trügerisch zu erweisen. Der Schalker Stürmer Victor Agali wuchtete einen Freistoß von Böhme in der 5. Minute mit dem Kopf ins Tor.

Anschließend schien das Spiel wie erwartet zu laufen: Die Westfalen belagerten die gegnerische Hälfte. Chancen aber boten sich zumeist nur, wenn Böhme seine Kollegen bei Standardsituationen in Szene setzte. Während die Heimelf nach dem ersten Tor ein wenig sorglos zu Werke ging, fassten die Kaiserslauterer irgendwann doch den Mut, der Partie einen Richtungswechsel zu geben.

Als sie sich zum ersten Mal in die Nähe des Schalker Tores wagten, nutzte Tomasz Klos die Gelegenheit und zeigte, dass auch der zuletzt oft kopflos wirkende Klub mit Köpfchen vorgehen kann. Der Pole lenkte eine Freistoßvorlage mit dem Kopf ins Netz.

Nach der Pause wiederholte sich die Dramaturgie des ersten Aktes: Agali schoss Schalke abermals in Führung, doch die Pfälzer bewahrten bis zum Schluss das Vertrauen in die eigene Stärke. „Wir haben bis zur letzten Minute an uns geglaubt", sagte Torschütze Koch.

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