Sport : Leistung lohnt sich nicht

Stefan Hermanns

über die Lebenslügen des SC Freiburg Ach, wie schön war Freiburg. Damals in den beginnenden Neunzigern, als ein alternativer Studienrat mit Brilli im Ohr und Vorliebe für selbst gedrehte Zigaretten einen Haufen von Studenten in die Fußball-Bundesliga führte und dort mit einem intellektuellen Fußballstil die wahren Liebhaber dieses Sports erfreute. Das ist lange her, aber das Image vom SC Freiburg als Gegenentwurf zu den kapitalistischen Profiteuren im Fußball hat alle Prüfungen durch die Realität unbeschadet überstanden.

Beim Sportclub sind sie immer noch stolz darauf, ein bisschen anders zu sein als die anderen, ganz gewöhnlichen Fußballvereine. Früher hat der SC vor allem durch seinen Stil, durch sein verwirrendes Kurzpassspiel die Fantasie der Fußballfans beflügelt. Doch davon ist nichts mehr geblieben. Die Andersartigkeit beschränkt sich immer mehr darauf, dass der Trainer Volker Finke nicht um seinen Arbeitsplatz fürchten muss. Zwei Abstiege hat er unbeschadet überstanden, und auch der drohende dritte wird seine Position wohl nicht nachhaltig schädigen.

Kein anderer Bundesligatrainer besitzt so viel Macht wie Finke. Von seinem Präsidenten hat er nichts zu fürchten, von seinen Spielern noch viel weniger. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Mannschaft eine gesichtslose Ansammlung sehr gewöhnlicher Fußballer. Finke braucht keine Stars, und längst hat er, keineswegs zu seinem Nachteil, das Leistungsprinzip abgeschafft. Wer trotzdem als SC-Fan nach erfolgreichem Fußball schreit, wird als verblendet gebrandmarkt. Der SC macht nämlich nicht mit bei der profanen Jagd nach Titeln. Er sieht sich ausschließlich als Ausbildungsverein.

Sebastian Kehl, der letzte deutsche Nationalspieler des Vereins, ist übrigens bei Hannover 96 ausgebildet worden.

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