Sport : Leistung lohnt sich wieder

Sven Goldmann

Als Boris Becker noch ein erfolgreicher Tennisspieler war und gesellschaftsfähig bis in höchste Kreise, machte er Werbung für die Deutsche Bank. Der Slogan hieß „Leistung muss sich wieder lohnen“. Es hat dafür viel Spott gegeben, denn dieses Land hatte ein Problem mit dem Begriff Leistung. Deutschland war das Land der verhätschelten Wohlstandskinder, die wenig tun wollten für viel Geld. Boris Becker in seiner Spätphase und der jetzige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sind dafür nicht die schlechtesten Beispiele.

Doch die Zeiten ändern sich. In Deutschland erfährt der Leistungsgedanke eine Neubewertung, und es ist eine schöne Pointe, dass in der öffentlichen Wahrnehmung die Sportler dieses Umdenken ausgelöst haben. Die Fußballspieler machten den Anfang mit ihrem attraktiven und erfolgreichen Spiel, das bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer einen ungeahnten Boom auslöste. Ein paar Wochen später nahmen die Hockeyspieler den Ball auf mit ihrer ausgelassenen WM-Party in Mönchengladbach. Mit dem Triumph der deutschen Handballspieler gestern in der Kölnarena schließt sich der Kreis. Die Hauptdarsteller eines oft als Dorfsportart belächelten Spiels haben in den vergangenen 17 Tagen gezeigt, wie sehr sich Leistung lohnen kann.

Mag sein, dass diese WM nur in den WM-Arenen und im Fernsehen ein Ereignis war, aber was heißt schon: nur? In einer Mediengesellschaft sind Einschaltquoten ein entscheidender Parameter. Wer das Fernsehen für sich gewinnt, hat schon fast alles gewonnen. Die deutschen Handballer haben ein Millionen-Publikum begeistert, das vor ein paar Wochen zu großen Teilen noch nicht einmal wusste, wie viele Leute bei diesem Spiel auf dem Platz stehen. Handball ist angekommen in der breiten öffentlichen Wahrnehmung. Das ist, neben dem Gewinn des WM-Titels, der Lohn für den deutschen Handball. Mal sehen, ob er mehr daraus macht als Boris Becker und die Deutsche Bank.

0 Kommentare

Neuester Kommentar