Sport : Lemgo gewinnt in Gummersbach

Erik Eggers

Gummersbach - In den letzten Sekunden greift Velko Kljaic zum letzten Mittel. Wenigstens ein Unentschieden im Hinspiel des Europapokal-Halbfinals will er noch erreichen, deswegen wechselt der Trainer des VfL Gummersbach, das in Unterzahl spielt, nun den Torwart aus und bringt einen Kreisläufer. Die Aktion aber misslingt: Volker Zerbe, der erfahrene Handballprofi des TBV Lemgo, nutzt ein Missverständnis im Gummersbacher Angriff, greift sich den Ball und wirft von der Mittellinie in das leere Tor. So verliert der deutsche Rekordmeister mit 27:29 (16:13) das erste deutsch-deutsche Duell im EHF-Pokal, dem Gegenstück des Handballs zum Uefa-Pokal. Volker Mudrow aber sieht darin keine Vorentscheidung. „Es gibt keinen Grund zur Euphorie“, sagt der Trainer des TBV. Und auch Nationalspieler Florian Kehrmann, mit neun Toren überragender Torschütze beim TBV, prognostiziert für das Rückspiel „noch 60 Minuten großen Kampf“.

Verbissen hatten die beiden Teams vor 1800 Zuschauern in der Gummersbacher Eugen-Haas-Halle um jeden Ball gerungen. Vor allem der französische Europameister Daniel Narcisse und der koreanische Linkshänder Kjung-Shin Yoon brachten den VfL mit ihren famosen Sprungwürfen in Vorteil. Zwar setzte auch der Gast aus Lemgo seine Stärken um und kam durch schnelle Gegenstöße zu leichten Toren. Da aber die Abwehr des Tabellendritten der Bundesliga in der ersten Halbzeit sicherer stand, ging der VfL mit einem verdienten 16:13-Vorsprung in die Pause. „Wir haben in der ersten Halbzeit nicht klug gespielt“, sagte TBV-Kreisläufer Christian Schwarzer. Die Ostwestfalen hatten ihre Überzahlsituationen nicht clever ausgespielt.

Gummersbach hielt in der zweiten Hälfte zunächst den Drei-Tore-Vorsprung. Aber dann warf der wuchtige Schwarzer vier Tore in nur sieben Minuten, und die Partie war wieder ausgeglichen. Noch einmal ging Gummersbach, der in Yoon (neun Tore) und dem Isländer Sigurdsson (sieben) seine besten Schützen hatte, beim 24:22 (50. Minute) mit zwei Toren in Führung. Aber dann leitete TBV-Keeper Carsten Lichtlein mit fünf Reflexen in den Schlussminuten die Wende ein. Aufgegeben haben sich die Verlierer aber noch nicht. „Die Ausgangssituation ist schlecht, aber das war keine Vorentscheidung“, sagte Abwehrchef Frank von Behren. Und Trainer Kljaic sieht sein Team jetzt sogar im psychologischen Vorteil. „Alle erwarten jetzt den Finaleinzug Lemgos, aber wir haben jetzt nichts mehr zu verlieren.“

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