Sport : Lenkräder ohne Schumacher

Warum die Formel 1 auch künftig bedeutsam ist

Karin Sturm

Monza - Gewusst hatten es ja eigentlich schon fast alle, oder zumindest geahnt, dennoch schien die Bestätigung am Sonntagnachmittag einen kleinen Schock auszulösen: Die Formel 1 muss ab November ohne ihren Rekordweltmeister Michael Schumacher auskommen. Nicht nur für die Tifosi in Monza, die am Sonntagabend noch stundenlang vor dem Ferrari-Motorhome ausharrten, scheint das fast unvorstellbar zu sein.

Michael Schumachers angekündigter Rücktritt ist ein besonderer für die Formel 1. Einerseits weniger sentimental, diesmal gab es keine Tränen im Fahrerlager wie bei den Rücktritten von Jackie Stewart, Niki Lauda oder Alain Prost. Dafür eine Art Erstaunen in der Altersgruppe der 30-Jährigen: Wie kann die Formel 1 ohne ihren Star existieren?

Was Michael Schumachers Epoche neben der Erfolgsbilanz so außergewöhnlich macht, ist ihre Dauer. 16 Jahre lang fuhr Michael Schumacher in der Formel 1, von Anfang an mit konkurrenzfähigem Material. Seit 1994, seit dem Tod von Ayrton Senna, war er der Star der Szene. Anfangs schob man ihn in diese Rolle hinein, weil seit dem tödlichen Unfall von Imola schnell ein neuer Star benötigt wurde. Doch mangels gleichwertiger Rivalen hat sich an dieser Heldenrolle nichts mehr geändert.

Zwölf Jahre sind seitdem vergangen, eine so lange Phase der Dominanz hat es noch nie gegeben. Die Stars früherer Tage begannen ihre Karrieren in der höchsten Klasse nicht wie Michael Schumacher mit 21 Jahren, sondern wesentlich später. Außerdem war das Risiko früher höher. Mancher Fahrer überlebte seinen Sport nicht, wie Jim Clark, Jochen Rindt oder Ayrton Senna. Andere zogen sich früh zurück. Wie Jackie Stewart.

Viele Fans und Fahrer können sich die Formel 1 ohne Michael Schumacher gar nicht vorstellen, weil sie diesen Sport nie anders erlebt haben. Deshalb wurde jetzt die Frage so oft gestellt, wie es denn weitergehe. Nur die Älteren wie Niki Lauda oder Jackie Stewart erkennen zwar den momentanen Verlust, sehen aber auch, dass die Formel 1 stets schnell Ersatz für abgetretene Helden gefunden hat. „Die Formel 1 hat die Rücktritte von Juan Manuel Fangio und Niki Lauda überstanden“, sagte Stewart, „sie ist größer als ein einzelner Fahrer.“ Die 16 Jahre werden ein wichtiges Kapitel in der Formel-1-Geschichte darstellen, in Deutschland das wichtigste überhaupt. Doch die Formel 1 wird nicht bedeutungslos werden, auch in Deutschland nicht. Dafür gibt es zu viele talentierte Nachwuchsfahrer.

Einige junge Piloten finden den Rücktritt normal. Als Bruno Senna davon erfuhr, fand der 22-jährige Formel-3-Fahrer das vor allem aus einem Grund traurig. „Schade“, sagte Ayrton Sennas Neffe, „schade, dass ich nicht mehr gegen ihn fahren kann.“

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