Sport : Leo gegen den Rest der Welt

Inters Trainer wird nach dem 2:5 heftig kritisiert

Tom Mustroph[Mailand]
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Der Schock saß tief. Voller Ingrimm verließ Julio Cesar das Guiseppe-Meazza-Stadion. Nach dem deprimierenden 2:5 brauchte der Keeper von Inter Mailand Auslauf und legte den Weg in sein zugegebenermaßen nahe gelegenes Zuhause ganz unstandesgemäß zu Fuß zurück.

Trainer Leonardo hatte der Abend die Stimme verschlagen. Heiser suchte er nach Erklärungen für das Debakel. „Die Partie hat bestens für uns begonnen. Doch dann gab es einzelne Ereignisse technischer, taktischer und physischer Art, die dazu führten, dass sich alles ins Schlechteste verkehrte“, sagte er. Als ein italienischer Journalist ihn darauf ansprach, dass die Ziffern Null und Vier aus Schalkes Namen für ein Weiterkommen ausreichen würden, flog ganz kurz ein Lächeln auf sein Gesicht. „Theoretisch haben wir ja noch eine Begegnung. Es ist nicht zu Ende“, sagte er.

An einen definitiven Endpunkt gekommen ist jedoch die wundersame Geschichte eines begabten Fußballers, der sein Trainerdebüt beim AC Mailand feiern durfte, sich dort mit dem Besitzer Silvio Berlusconi verkrachte und nach einer Anstandspause von nur wenigen Monaten beim Lokalrivalen Inter anheuerte. Einem Wunderheiler gleich flößte er bei seinem Eintreffen den ausgelaugten und verunsicherten Spielern neuen Esprit ein. Prompt sahen sie wieder wie Titelkandidaten aus.

Die Energie, die Leonardos Inter drei Monate lang angetrieben hatte, ist nach dem 0:3 im Derby am Wochenende gegen Milan und dem Debakel gegen Schalke aufgebraucht. Dass in den beiden Spielen statt Tabellenführung und Hinspielsieg der Absturz folgte, weist durchaus eine tragische Dimension auf.

Weil Profifußball aber kein Drama ist, wie es am Mailänder „Piccolo Teatro“ aufgeführt wird, sondern ein beinhartes Geschäft mit Zahlen, Bilanzen und Geldern, wird mit dem Auslöser von Höhenflug und Absturz gnadenlos abgerechnet.

„Leonardo ist ein Motivator für den Übergang, aber kein Trainer für den Aufbau einer Mannschaft“, lautet das Verdikt der „Gazzetta dello Sport“. Nach seiner überraschenden Ankündigung, sich nach Ablauf seines Vertrages 2012 beim FC Barcelona neuen Herausforderungen stellen zu wollen, rückt der Katalane Josep Guardiola in die erste Reihe der Aufbau-Kandidaten. Die Tifosi hingegen befinden sich auf dem Retro-Trip. „Mourinho, Mourinho“-Rufe schallten durch die Nacht.

Inter steckt in einer tiefen Krise. Und Leonardo steht vor einer erneuten Metamorphose. Entweder er steigt wie Phönix aus der Asche oder er wird als ein Ikarus in die schwarzblauen Annalen eingehen.

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