Leserdebatte : Fehlt Hertha eine Vision?

Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht der Initiator der Arbeitsgruppe "TSP-Herthaner machen sich Gedanken“ über ein Fan-Leitbild und die Visionen Herthas aus Sicht ihrer Fans. Diskutieren Sie mit den Autoren ahnungsloser, dan, dewm, pax.klm, schmidt63, sunny1703, treat und 08-15 sowie dem Rest der Hertha-Community.

Hertha-Fans machen sich Gedanken über die Zukunft ihres Vereins.
Hertha-Fans machen sich Gedanken über die Zukunft ihres Vereins.Foto: dpa

Herr Edler, Sie haben mit mehreren Kommentatoren aus dem Tagesspiegel-Online-Forum ein 30-seitiges Fan-Leitbild für Hertha BSC erstellt. War das aktive Frustbewältigung nach dem Abstieg?

Der Abstieg war ein Auslöser und letztlich der entscheidende Impuls, selbst etwas zu machen. Aber es war nicht der einzige. Es stand schon länger zur Debatte, sich in irgendeiner Weise an den Verein zu wenden, um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Einige wollten einen offenen Brief an Hertha BSC schreiben. Aber das fand ich zu wenig. Der Brief wird freundlich beantwortet, abgeheftet – und das war’s dann. Wir wollten was Nachhaltigeres.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe irgendwann ein paar Leute aus dem Tagesspiegel-Forum gefragt, ob sie Lust hätten, bei einem solchen Projekt mitzumachen. Am Ende sind acht übrig geblieben. Die Diskussionen sind größtenteils auf virtueller Ebene abgelaufen. Anfangs sind wir durchaus mit dem Mut zum Scheitern an das Projekt dran gegangen. Aber am Ende wollten dann alle auch ein Ergebnis erzielen. Wichtig war mir, dass wir nicht zu viel Energie verpulvern in total kontroversen Diskussionen. Wir wollten unsere Kritik mit Vorschlägen hinterlegen, so dass der Verein sagen kann: Okay, da können wir einen Nutzen draus ziehen. Oder: Das ist für uns nicht relevant. Es ging nicht darum, Hertha BSC in irgendeiner Weise anzuschießen.

Welcher Gedanke steckt hinter dem Projekt?

Das Fan-Leitbild ist der Versuch, einen zukunftsfähigen Verein Hertha BSC zu gestalten – und zwar aus Sicht der Fans. Es geht ein bisschen um eine Vision. Wir hatten in den letzten Jahren immer das Gefühl: Das fehlt Hertha. Oder es ging in eine falsche Richtung. Der Verein war ja selbst nicht so richtig zufrieden mit der Marketingkampagne „Play Berlin“.

In dem 30-seitigen Fan-Leitbild zeigen Sie Wege, die Identifikation mit Hertha zu erhöhen. Sie fordern etwa eine stärkere Betonung des Berlin-Faktors, mehr sportliche Kompetenz in der Klubführung und eine transparente Finanzpolitik. Wie hat der Verein reagiert?

Bei den Verantwortlichen hat es ein sehr positives Echo gegeben. Wir haben vor zwei Wochen mit Werner Gegenbauer, Ingo Schiller und Thomas Herrich zusammen gesessen. Die waren sehr angetan und haben signalisiert, dass sie mit uns im Gespräch bleiben wollen.

Will der Verein irgendetwas aus Ihrem Leitbild aufgreifen oder übernehmen?

Wir haben nichts konkret vereinbart. Wir haben aber gesehen, dass sich die Herren während der Diskussion viele Notizen gemacht haben. Interessant war es zu erfahren, dass sie seit zwei Jahren an einem eigenen Leitbild werkeln. Und es geht zum Teil in die gleiche Richtung wie bei uns.

Thorsten Edler, Initiator der Arbeitsgruppe "Herthaner machen sich Gedanken"
Thorsten Edler, Initiator der Arbeitsgruppe "Herthaner machen sich Gedanken"Foto: promo

Welche ist das?

Eine wichtige Erkenntnis des Gesprächs war für uns, dass Hertha die Hauptstadt Berlin nicht mehr als Standortnachteil oder gar Belastung ansieht, wie das in der Vergangenheit gelegentlich rübergekommen ist. Der Verein will Berlin als Chance begreifen. Das ist bei uns natürlich auf einen fruchtbaren Boden gefallen.

Thorsten Edler, 41, ist seit Anfang der 80er Jahre Hertha-Fan. Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist er für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Das Gespräch führte Stefan Hermanns.

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