Sport : Letzte Bühne Bökelberg

1860 München verliert 1:3 in Gladbach und steigt ab

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Irgendwann drohte das letzte Schauspiel auf der Bühne Bökelberg aus Sicht von 1860 München endgültig zur Farce auszuarten. Mit 1:3 lagen die Münchner aussichtslos zurück, der Glaube an den Klassenerhalt war längst verraucht, die Einwechslung Francis Kioyos, Münchens tragischem Held der Vorwoche, von den Gladbacher Fans hämisch bejubelt worden – da stand der Höhepunkt der Show noch bevor: Gladbachs Coach Holger Fach wechselte Torwarttrainer Uwe Kamps ein und schenkte dem Publikumsliebling, der so etwas wie die lebende Version von Borussia Mönchengladbach darstellt, die letzten zehn Minuten Bundesligafußball am Bökelberg.

Dass es auch die letzten Minuten von 1860 in Deutschlands höchster Spielklasse waren, drohte da in den Hintergrund zu geraten, doch rund eine halbe Stunde später dominierte die elende Stimmung im Münchner Lager die Szenerie in den Katakomben des Stadions. Sechzigs Präsident Karl Auer standen Tränen in den Augen, sprach von der „bittersten Stunde in meinem Sportlerleben“, und Gerald Vanenburg versicherte, „dass das auch meine Gefühle sind“. Münchens Trainer lehnte an einer Wand und sah so aus, als drohte er in sich selbst zusammenzufallen. „Wenn du daraus lernst, was du falsch machst, kannst du vielleicht stärker zurückkommen“, murmelte Vanenburg. An einer Rückkehr der Sechziger in die Erste Liga wird er wohl nicht teilhaben. Noch bevor der Bus vom Parkplatz rollte, sickerte durch, dass die verunglückte Münchner Mission des Niederländers nach nur drei Toren und zwei Punkten in fünf Spielen beendet ist.

Nach dem Anpfiff hatte es noch kurz so ausgesehen, als glaubten die Münchner tatsächlich an ihre letzte Chance. Als nach 20 Minuten Sechzigs Kapitän Markus Schroth im Luftkampf vor dem Gladbacher Tor gefoult wurde und Torben Hoffmann den Elfmeter verwandelte, nahm die Hoffnung Kontur an – allerdings nur zwei Minuten lang. Bei ihrem nächsten Angriff schlugen die Hausherren zurück – Vaclav Sverkos setzte sich im Kopfballduell gegen Rodrigo Costa durch –, und allmählich begannen die Gladbacher, ihre Party auf dem Bökelberg zu genießen. Angemessen zur Abschiedsstimmung erzielte Arie van Lent, der im Sommer nach Frankfurt wechselt und durch Oliver Neuville aus Leverkusen ersetzt wird, das 3:1 (74.). Nach dem Sieg ließ es sich dann Gladbachs ausgewechselter Keeper Jörg Stiel nicht nehmen, noch einmal überraschend bei der Pressekonferenz zu erscheinen – und mal eben ein paar Biere zu zapfen. Mit 1860 München und seinem Trainer Vanenburg hatte niemand Mitleid.

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