Sport : Letzte Chance

Graciano Rocchigiani boxt in Stuttgart gegen Thomas Ulrich

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Berlin (Tsp). Der alte Mann kann es nicht lassen. Graciano Rocchigiani, mitterweile 39 Jahre alt, steigt am 10. Mai in der Stuttgarter HannsMartin-Schleyer-Halle nach zwei Jahren Pause wieder in den Ring. Sein Gegner ist der frühere Halbschwergewichts-Europameister Thomas Ulrich. Das Duell der beiden Berliner könnte sogar zu einem Kampf um die Weltmeisterschaft aufsteigen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Rocchigiani bis dahin das schriftliche Urteil des von ihm in New York gewonnenen Prozesses zugeht.

Im Herbst 2002 hatte der Boxer während seines 14-tägigen Hafturlaubs seine Klage gegen das World Boxing Council (WBC) gewonnen. Rocchigiani wurden 31 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen. Zudem bestimmten die Richter die Rückgabe des WM-Titels, den er 1998 erkämpft hatte und der ihm kurz darauf von der WBC zu Unrecht aberkannt wurde. „Die Kohle wird eher kleckerweise kommen. Aber ich denke schon, dass ich meinen Titel kriege“, sagte der Berliner. Rechtsgültig ist die Entscheidung erst nach dem Eingang der schriftlichen Urteilsbegründung. Und damit lassen sich die amerikanischen Richter bisher Zeit.

Auf den Kampf gegen Ulrich bereitet sich Rocchigiani derzeit in Regensburg vor. Seinen letzten Auftritt hatte er im Februar 2001 in Berlin gegen den Kanadier Willard Lewis. Ein wenig spektakulärer Sieg, der von Pfiffen begleitet worden war – auch ein Grund dafür, dass die „Berliner Stadtmeisterschaft“ in Stuttgart stattfindet. Nach dem Kampf hatte Rocchigiani größere Schwierigkeiten außerhalb des Boxrings. Anfang August 2002 musste er eine einjährige Haftstrafe antreten. Er war wegen Fahrens ohne Führerschein unter Alkoholeinfluss sowie wegen einer Prügelei mit Polizisten verurteilt worden. Anfang November wurde Rocchigiani nach 279 Tagen vorzeitig aus der Justizvollzugsanstalt Tegel entlassen.

Nun also bekommt er eine neue, wohl allerletzte Chance. Das weiß auch Rocchigiani, der „noch ein, zwei Kämpfe“ machen will. Er fühle sich fit für den Kampf. Im Gefängnis habe er fast jeden Tag trainiert. Nur mit dem Laufen sei es schwer gewesen. Von seinem zwölf Jahre jüngeren Gegner hält Rocchigiani viel. „Er ist ein talentierter Boxer, der hauen kann.“ Bei einem solchen Kompliment mochte Ulrich nicht nachstehen. „Es ist eine Ehre für mich, gegen Rocky zu kämpfen, ich habe lange auf diesen Kampf warten müssen.“ Seinen Europameistertitel hatte er Anfang Februar verloren. Kampflos, denn kurz vor dem Duell mit dem Italiener Silvio Branco hatte ihn ein Magen-Darm-Virus flachgelegt. Nun also tritt er zum „Duell der Generationen“ an. Peter Hanraths von Universum Box-Promotion sagt: „Das verspricht ein Quotenhit zu werden.“

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