Sport : Letzte Erregung

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Benedikt Voigt über

Michael A. Roths Entschuldigung

Na also, alles halb so schlimm. Der Präsident hat sich entschuldigt. Vielleicht nicht sofort, ein bisschen hat er noch herumgedruckst auf einer schnell einberufenen Pressekonferenz am Valznerweiher. Aber irgendwann hat er dann doch gesagt, dass er mit seiner Wortwahl etwas zu weit gegangen sei. „Ich habe diese Worte aus der ersten Erregung über die Niederlage heraus gesagt“, erklärte Michael A. Roth, „dafür möchte ich mich in aller Öffentlichkeit entschuldigen“. Ist halt einfach ein wenig blöd gelaufen. Erst verliert der Club, der 1. FC Nürnberg, der ihm ja so am Herzen liegt, gegen den VfB Lübeck, dann steht dieser Journalist der „Abendzeitung“ mit dem Aufnahmegerät neben ihm und fragt, was man jetzt machen könne. „Ja, was soll ich machen?“, antwortete Michael A. Roth, „ich habe einen Waffenschein, eine Pistole, das kann man machen: mal durchpfeifen durch denen ihr Hirn“. Na ja, wie gesagt, blöd gelaufen, waren vielleicht doch die falschen Worte. Was er eigentlich habe sagen wollen, erklärte Roth zwei Tage später: „Die Spieler müssen sich mal konzentrieren.“

Moment. Wie wäre es, wenn sich der Präsident mal konzentrierte. Muss man nicht von einem 68Jährigen erwarten können, dass er nach einem verlorenen Spiel nicht seinen Angestellten öffentlich mit Erschießung droht? Selbst, wenn es nicht ernst gemeint ist. Vor allem, wenn die letzten negativen Schlagzeilen wegen einer Beleidigung der Spieler nicht lange zurückliegen. Im vergangenen Jahr hatte der ehemalige Nürnberger Sportdirektor Edgar Geenen geschimpft: „Ihr seid wie Lepra.“ Doch wahrscheinlich offenbart das Pistolenzitat nur das Niveau des Michael A. Roth. In zwei Amtszeiten hat er insgesamt zwölf Trainer entlassen. In der Bundesliga konnte er den ehemaligen Rekordmeister nie etablieren. Die Trainer Felix Magath und Klaus Augenthaler, die den VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen in neue Höhen hieven, können beide bei ihrem vorangegangenen Engagement auf eine Entlassung durch Michael A. Roth verweisen.

Eigentlich müsste in Nürnberg dringend einmal der Präsident entlassen werden. Doch auch davor steht Michael A. Roth. Der Teppichhändler ist Sponsor der Nürnberger, der Verein braucht sein Geld. Am Dienstag sagte er über den aktuellen Trainer: „Bevor der Trainer geht, gehe ich.“ Wer’s glaubt. Die beste Gelegenheit zum Rücktritt hat er gerade verstreichen lassen.

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