Letzte Hoffnung Handy : Die Füchse und die EM

Füchse-Spieler Markus Richwien würde bei der Europameisterschaft gern spielen, sein Teamkollege Denis Spoljaric verzichtet freiwillig.

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Berlin - Wenn in den nächsten Tagen sein Handy klingelt, wird Markus Richwien genau auf die Nummer schauen, die auf dem Display erscheint – könnte ja sein, dass ihn Handball-Bundestrainer Martin Heuberger doch noch kurzfristig zur heute beginnenden Europameisterschaft nach Serbien beordert. „Ich stehe zwar in Reserve, aber Hoffnungen mache ich mir nicht“, sagt der Rechtsaußen. Eine Voraussetzung für Richwiens Nachnominierung wäre der Ausfall von Christian Sprenger oder von Patrick Groetzki. „Aber das wünsche ich den Jungs natürlich auch nicht“, sagt der Füchse-Spieler. Einen Effekt hat die Möglichkeitsform für ihn trotzdem: „Ich muss im Training alles tun, damit ich im Fall der Fälle topfit bin.“ Ein bisschen enttäuscht sagt Richwien aber auch: „Ich finde, dass ich mich beim Supercup in der Nationalmannschaft gut präsentiert habe, aber letztlich hat das wohl nichts gebracht.“

Nur sechs Spieler aus dem regulären Kader hat Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson derzeit zur Verfügung, er ergänzt das Team mit Spielern aus der zweiten Mannschaft und der A-Jugend. Trotz dieser ungewöhnlichen Konstellation kann sich Markus Richwien aus einem weiteren Grund nicht zurücknehmen: „Ich habe noch keinen neuen Vertrag, der alte läuft schließlich zum Saisonende aus.“ Geschäftsführer Bob Hanning hat zwar schon signalisiert, dass er mit den gestandenen Akteuren gern verlängern würde, noch fehlen aber die Unterschriften beider Parteien. Eine gelungene Präsentation bei der EM hätte Richwien sicherlich helfen können. „Bis Ende Januar möchte ich Konkretes wissen“, sagt er. Jetzt freut er sich erst einmal auf das EM-Auftaktspiel der Deutschen gegen Tschechien, in dem es auch zum Duell der beiden Füchse-Torhüter Silvio Heinevetter und Petr Stochl kommen wird.

Dafür kann sich auch ein anderer Daheimgebliebener erwärmen: Füchse-Abwehrchef Denis Spoljaric. Im Gegensatz zu Markus Richwien hätte der 32-jährige Kroate in Serbien dabei sein können. Doch Nationaltrainer Slavko Goluza hatte ihn nicht mehr überreden können. „Vor zwei Jahren sollte unser Team verjüngt werden und ich wurde nicht mehr berücksichtigt, jetzt ist das Thema für mich beendet“, begründet Spoljaric seine Ablehnung. Er sei mit Kroatien Olympiasieger, Weltmeister und EM-Medaillengewinner geworden, das mache ihn sehr zufrieden, erzählt er. „Wenn 2010 die Entscheidung anders ausgefallen wäre, würde ich heute wohl dabei sein.“ Stattdessen telefoniert Spoljaric regelmäßig mit seinem Freund und Landsmann Ivan Nincevic, dem Linksaußen der Füchse. „Hoffentlich verletzt sich kein Füchse-Spieler in Serbien“, sagt Spoljaric. Seiner Erfahrung nach wird es für alle EM-Teilnehmer ohnehin schwer genug, sich nach 30 Tagen im Kreise ihrer Nationalteams wieder dem Klub-Alltag zu stellen – zumal die zweite Saisonhälfte für die Füchse hammerhart beginnt: am 8. Februar beim Meister HSV und am 12. Februar mit dem letzten und zugleich entscheidenden Vorrundenspiel in der Champions League gegen Medwedi Tschechow.

Darauf konzentriert sich auch Markus Richwien. Im Gegensatz zu Denis Spoljaric träumt der ehemalige Magdeburger noch vom ganz großen Aufstieg. Das Handy behält er sicherheitshalber in Reichweite.

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