Sport : Letzte Landung

Der Skispringer Sven Hannawald verkündet das Ende seiner sportlichen Karriere

Benedikt Voigt

Berlin – Am Dienstagabend hat Werner Heinz mit Sven Hannawald telefoniert. „Wir haben über seine Zukunft gesprochen“, berichtet sein Manager. Das Gespräch dauerte länger, es gab einige Diskussionspunkte. Hannawald sagte, er wolle es sich noch einmal überlegen. Am nächsten Morgen sprachen beide erneut miteinander, und plötzlich war alles klar. „Er hat sich über Nacht entschieden“, sagt Heinz. Dies war der Moment, in dem aus dem Skispringer ein ehemaliger Skispringer wurde.

Sven Hannawald hat seine Karriere beendet. „Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht, aber es bringt nichts, noch einmal anzufangen“, sagt er. Seine gestrige Entscheidung hat nur wenige überrascht, sein letzter Sprung liegt bereits eineinhalb Jahre zurück. Damals erkrankte er am Burn-Out-Syndrom und musste sich in einer Klinik behandeln lassen. Inzwischen hat der 30-Jährige die Krankheit überwunden. Weil er aber das Training nicht mehr aufgenommen hat, war den Verantwortlichen im Deutschen Ski-Verband (DSV) bereits seit April klar, dass er die kommende olympische Saison nicht als Aktiver erleben wird. Nur Hannawald und sein Manager wollten das bis gestern nicht öffentlich erklären. Bundestrainer Peter Rohwein verteidigt Hannawalds langen Entscheidungsprozess. „Ich denke, es war richtig und wichtig, dass er selbst in Ruhe entscheiden konnte, was zu tun war.“

Nun ist es ein Rücktritt aus Vernunftsgründen geworden. „Für dieses Jahr reicht es nicht mehr, und nach einer so langen Pause noch einmal zurückzukommen, ist schwierig“, sagt Heinz. Hannawald habe es noch einmal probiert, erklärt sein Manager, wie viel Engagement er aber tatsächlich für einen Comebackversuch aufgewendet habe, könne er nicht sagen. „Einen Sprung hat er nicht mehr gemacht“, sagt Heinz.

Sven Hannawald wird als einer der besten Skispringer aller Zeiten in die Annalen eingehen. „Er war ein herausragender Athlet, wie es ihn so bald nicht mehr geben wird“, sagte Peter Rohwein. DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller ergänzt: „An seinen Leistungen werden sich noch Generationen von Springern messen lassen.“ Vor allem an jener Leistung, als er bei der Vierschanzentournee 2001/02 alle vier Springen gewann. Vorher und nachher ist das keinem anderen Skispringer gelungen.

Es gab noch viele weitere sportliche Höhepunkte. Drei olympische Medaillen, vier WM-Medaillen, zwei WM-Titel im Skifliegen runden seine eindrucksvolle Titelsammlung ab. Gemeinsam mit Martin Schmitt war er verantwortlich für den Aufschwung des Skispringens in der Öffentlichkeit. Bei seinem Vierschanzentourneesieg haben fast 13 Millionen Menschen in Deutschland den Fernseher eingeschaltet. Seit er nicht mehr springt, sind die Zahlen stark gesunken.

Werner Heinz vermochte gestern nicht zu sagen, wie es mit Sven Hannawald weiter geht. „Darüber haben wir noch nicht gesprochen.“ Unlängst hat dieser festgestellt, dass er zwar Kommunikationselektroniker gelernt habe, aber außer Skispringen nichts könne. Bei der jüngsten Vierschanzentournee hatte Hannawald die Springen im Fernsehen kommentiert. „Er wird wohl weiter im Fernsehen seine Analysen machen, aber das wird nicht reichen“, sagt Heinz. Nur eines könne er schon jetzt sagen: „Ich weiß, dass er den Leuten fehlen wird.“

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