Sport : Letzte Runde im Krankenhaus

Joe Gatti geht gegen starken Sven Ottke k.o., bricht in seinem Hotel zusammen und muss sich den Ärzten anvertrauen

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Von Hartmut Scherzer

Leipzig. Einem begeisternden Boxabend in Leipzig folgte spät nachts ein beklemmender Vorfall: Stunden nach seiner schweren K.-o.-Niederlage gegen Sven Ottke und der munteren Forderung nach einem Rückkampf auf der Pressekonferenz brach der kanadische Herausforderer Joe Gatti in seinem Hotel zusammen und wurde ins Krankenhaus gebracht, wo eine Gehirnerschütterung und ein kleiner Bluterguss im Gehirn festgestellt wurden. Die Lage sei stabil und es bestehe keine akute Gefahr, teilte Ringarzt Walter Wagner mit. Vom sofortigen Rückflug nach Kanada riet der Arzt jedoch ab. Gatti soll noch zwei Tage im Krankenhaus bleiben.

Die Begeisterung für den triumphalen Sieger Sven Ottke wurde somit im Nachhinein getrübt. Das Mikrofon im rechten Boxhandschuh, den Schweiß noch auf der Stirn, hatte Sven Ottke zu seinem Publikum gesprochen - nicht über den Kampf, sondern über die Flut. Die Worte hörten sich an wie von einem Politiker und nicht wie von einem Boxer. „Wir müssen alle anpacken und den betroffenen Menschen helfen.“ Der Auftritt des 35-Jährigen im Ring der „Arena Leipzig“ als perfekter Boxer, einfühlsamer Redner, großzügiger Spender und bekennender Ostler aus dem Westen riss die 8000 Besucher zu Beifallsstürmen hin. Erst schlug Ottke seinen Herausforderer in der neunten Runde k.o. Dann ernannte sich der Boxchampion zum olympischen Botschafter für die Spiele 2012 in Leipzig. Schließlich spendete der als knausrig geltende Familienvater 50 000 Euro für die Opfer der Katastrophe. Seine Entscheidung, sich nicht für die Olympia-Bewerbung Stuttgarts und der Region Rhein-Ruhr, sondern für Leipzig zu engagieren, hatte er allerdings schon vor der Flut getroffen. „Die Olympischen Spiele gehören in den Osten. Der Westen hatte sie schon 1972.“ Die Überschwemmung mache die Wahl Leipzigs zur Olympiastadt nur noch dringender. „Nach dem Hochwasser brauchen die Menschen im Osten wieder ein Ziel. Das schafft Arbeitsplätze."

Ottkes Arbeitsplatz ist gesichert. Denn der Weltmeister im Supermittelgewicht nach Version des Verbandes IBF boxte in einem sehenswerten Kampf nach dem Motto: je älter, desto besser. Der gleichaltrige Gatti entpuppte sich als ein guter Herausforderer mit einem gefährlichen linken Haken, der den Champion schon nach zwanzig Sekunden gewaltig durchschüttelte. „Diesen Wirkungstreffer hat Sven hervorragend überspielt“, sagte sein Trainer Ulli Wegner. Und im Alter wird Ottke, von dem es hieß, er könne „nicht hauen“, auf einmal zum K.-o.-Schläger – kein plumper Haudrauf, sondern ein feiner Präzisionsboxer. Nach dem ersten Niederschlag konnte Gatti, bereits aus einer Wunde über dem linken Auge blutend, noch aufstehen, nach dem zweiten versagten die Beine. Ringrichter Raffaele Agriolas (Italien) und Ottkes „cutman“ Danny Mancini mussten Gatti in seine Ecke schleppen. Auch in seinem 28. Profikampf blieb der Spandauer aus Karlsruhe damit siegreich, verteidigte zum 15. Mal seinen Titel erfolgreich.

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