Sport : Letzte Schritte zur Legende

USAIN BOLT krönt seine Karriere und holt auch über 200 Meter die Goldmedaille – diesmal vor seinen jamaikanischen Landsmännern Yohan Blake und Warren Weir.

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Drei aus der Nachbarschaft. Jamaika räumte alle Medaillen über 200 Meter ab: Hinter Bolt (M.) kamen Yohan Blake und Warren Weir (l.) ins Ziel. Foto: dpa
Drei aus der Nachbarschaft. Jamaika räumte alle Medaillen über 200 Meter ab: Hinter Bolt (M.) kamen Yohan Blake und Warren Weir...Foto: dpa

Beruhigt euch, ich bin’s doch nur, Usain Bolt. Doch alles zwecklos, jede Geste von Usain Bolt bringt das Publikum im Stratford Stadium zum Jubeln, auch die Geste, jetzt einmal kurz leise zu sein für den Start, noch einmal kurz runterzukommen, ehe es 200 Meter lang um die nächste Goldmedaille geht.

Es sind 200 Meter, die Bolt noch zur Legende fehlen, so hatte es der Jamaikaner vorher gesagt, Medaillen und Rekorde sind längst nicht mehr das größte Ziel für einen, der davon schon genug hat. Jetzt geht es ihm um Status. Und die Zeitgeschichte wird zeigen, ob er nun wirklich eine Legende ist. Seinen eigenen Anspruch hat er jedenfalls erfüllt und die 200 Meter gewonnen, locker, nur sein Landsmann Yohan Blake war ihm wirklich auf den Fersen.

Die Uhr blieb bei 19,32 Sekunden stehen. Diese Zeit war bis zu Bolts Lauf vor vier Jahren in Peking der Weltrekord, gehalten vom US-Amerikaner Michael Johnson. „Ich bin keinen Weltrekord gelaufen, aber ich bin glücklich“, sagte Bolt, „ich war schnell, aber ich war nicht schnell genug. Ich habe meinen Rücken gespürt, als ich aus der Kurve kam, deshalb habe ich mich darauf konzentriert, das Rennen zu gewinnen.“ Und zu seinem Status sagte er: „Ich bin sehr stolz. Das war es, was ich hier erreichen wollte – und ich habe es geschafft!“ Noch nie hat ein Athlet seine olympischen Sprinttitel über 100 und 200 Meter verteidigen können.

Noch bevor er die Ziellinie überschritten hatte, legte er seinen Finger an die Lippen und aus dieser Geste kann man machen, was man will. Bolts fünf Liegestütze vor seiner Ehrenrunde stehen dagegen symbolisch für seine fünf olympischen Goldmedaillen, die er schon gesammelt hat, in der Sprintstaffel am Samstag könnte seine sechste dazukommen.

Die Ehrenrunde war eine jamaikanische Angelegenheit, denn hinter Blake (19,44 Sekunden) kam mit Warren Weir (19,84 Sekunden) ein weiterer Landsmann Bolts auf Platz drei. Zwischen die drei hätte sich auch gerne noch Wenlock geschoben, das Maskottchen der Londoner Spiele. Aber Bolt sah nicht so aus, als wolle er mit ihm Freundschaft schließen, so wie er es mit Berlino bei der WM 2009 im Berliner Olympiastadion getan hatte.

Es gibt allerdings noch Abendunterhaltung mit Usain Bolt mit Weltrekord, nur eben nicht von Usain Bolt. Als der Jamaikaner noch auf dem Aufwärmplatz seine Muskeln fürs Finale lockerte, lief der Kenianer David Rudisha mit der bisher besten Zeit über 800 Meter zu Gold, 1:40,91 Minuten. Rudisha hatte sich damit selbst übertroffen, denn schon der alte Weltrekord befand sich in seinem Besitz. In London verbesserte der 23-Jährige ihn um genau eine Zehntelsekunde.

Ein schöner Gruß übrigens an den Organisationschef der Londoner Spiele, Sebastian Coe. Der hatte selbst 1979 den Weltrekord auf dieser Strecke aufgestellt und ihn 1981 auf 1:41,73 Minuten verbessert. Diese Marke hielt 18 Jahre lang, bis sie von Wilson Kipketer erst eingestellt und dann verbessert wurde. „Lord Coe ist ein Freund von mir. Ich wollte ihn stolz machen“, sagte Rudisha nach seinem Rekordlauf.

Bei Rudishas Leistung mag alles mit rechten Dingen zugegangen sein, nur lässt es sich in diesem Fall noch schwerer nachprüfen als ohnehin schon in der Leichtathletik. Wie ein Sprecher des Internationalen Leichtathletik-Verbandes dem Tagesspiegel vor Beginn der Olympischen Spiele bestätigt hatte, gibt es in Kenia derzeit keine Blutkontrollen. Die wären wichtig, um bestimmte Substanzen auch indirekt über ein Blutprofil nachweisen zu können.

Das Publikum im Stratford Stadium feierte Rudisha dafür so euphorisch, als wenn der gar keine Test nötig hätte.

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