Sport : Letzter Ausflug Hoppegarten

Torsten Mundry nimmt an diesem Wochenende Abschied vom deutschen Jockeyzirkus

Ingo Wolff

Sie sind die Rivalen der Rennbahn. Jockeys ziehen wie im Zirkus gemeinsam von Bahn zu Bahn und kämpfen – wenn sie nicht als Stalljockey für einen Trainer fest gebucht sind – um die freien Pferde. Harte Konkurrenz, denn nur wer reitet, verdient auch Geld. Trotzdem verbringen die Profis viel Zeit miteinander. Denn bei den großen Rennen treffen natürlich regelmäßig auch die besten Jockeys aufeinander, so wie heute beim Großen Bentley-Preis in Hoppegarten. Nur wer nicht für das wichtigste Rennen des Tages engagiert wurde, zieht auf einen der Alternativplätze, um der Konkurrenz zu entgehen. Dort, bei den schwächeren Rennen, können die Top–Jockeys dann abräumen. Ansonsten langweilen sie sich gemeinsam alle zwei bis drei Tage zwischen den Rennen, laufen als Tross von der Jockeystube zum Führring und nach dem Rennen wieder zurück. Sie sind – wie die Tennisspieler – zu einer eingeschworenen Gemeinschaft geworden.

„Es gibt viele, die Berufliches und Privates nicht voneinander trennen können“, sagt Torsten Mundry. Der 32-Jährige ist einer der besten deutschen Jockeys. „Einige denken, weil man gut miteinander kann, musst du auch auf der Bahn Rücksicht nehmen.“ Zu diesen Reitern geht Mundry lieber auf Distanz, auch wenn er sie beruflich respektiert. Gelegentlich finden sich aber doch enge Freundschaften. Mundry ist mit Andrasch Starke, dem erfolgreichsten deutschen Jockey, befreundet. „Er ist fast wie ein Bruder für mich“, sagt Mundry, „bei allen Hochs und Tiefs war Andrasch immer erste Anlaufstelle.“ Vor drei Jahren hat Mundry seinen Freund sogar zu dessen erster Einladung ins Jockeyparadies Hongkong begleitet. Bei aller Freundschaft schaffen sie es jedoch, den Beruf vom Privaten zu trennen. „Ich habe von ihm profitiert, wir haben uns aber auch nichts geschenkt.“

Nun verlässt der Stalljockey von Peter Rau selbst den deutschen Jockeyzirkus. Am 29. September fliegt Mundry nach Hongkong und wird dort für sechs Monate arbeiten. Heute in Hoppegarten (14 Uhr) bestreitet er sein vorletztes Rennen, morgen in Köln nimmt er dann vorerst Abschied von Deutschland. „Ich würde gerne länger in Hongkong bleiben“, sagt Mundry und spekuliert schon jetzt auf eine Lizenzverlängerung. Ihm fällt der Abschied nicht leicht, auch wenn Hongkong der Traum jedes Jockeys ist. „Ich mag Deutschland sehr, aber es ist auch eine Riesenchance für mich.“ Dort lässt sich viel Geld verdienen. Da er vor einem Jahr in Macao bereits sehr erfolgreich war, könnte er auch in Hongkong Fuß fassen. „Der Klub schaut darauf, wie viel Umsatz du machst“, sagt Mundry. In Macao wurde viel auf ihn gewettet. Wie schwer es jedoch werden kann, haben ihm seine Vorgänger Starke und Andreas Suborics gezeigt. Die beiden besten deutschen Jockeys haben gegen die strengen Regeln in Hongkong verstoßen und wurden hart bestraft.

In diesen neuen Kreis muss sich Mundry erst noch einfinden. Anders als in Deutschland gehört er dort nicht zu den Top-Jockeys. Deshalb wird er den Ritt in Hoppegarten noch einmal genießen, auch wenn er mit der dreijährigen Stute Wurfklinge nicht zu den Favoriten des Hauptrennens zählt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar