Sport : Letzter Exportschlager

Oliver Trust

Kaiserslautern geht es nicht gut. Über die Angst der Menschen steht vieles in der Zeitung. Die Nähmaschinenfabrik Pfaff baut Arbeitsplätze ab. 100, 200? Das reicht für Sorgen in einer Stadt ohne Alternativen. Die Wunden wirtschaftlich klammer Zeiten sind unübersehbar. Einzelhändler in der Innenstadt verordnen ihren Verkäuferinnen Sprachkurse. Es sollen wieder mehr Amerikaner zum Einkaufen kommen. "Made in Kaiserslautern" heißt ein Slogan. Ob die Versuche helfen, weiß keiner. Die Kommune hat nicht einmal Geld, die vielen Schlaglöcher in den Nebenstraßen zu stopfen. Der Westpfalz bleibt eigentlich nur Fußball als Exportschlager. Aber auch der 1. FC Kaiserslautern macht eine schwere Phase durch und steht vor der Frage: Internationale Bühne oder Mittelmaß?

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Da passt es, dass heute der FC Bayern zum Spitzenspiel der Bundesliga auf den Betzenberg kommt. Mit dem Feindbild München (reich und Günstling der Schiedsrichter) haben sie sich in der 100 000-Einwohner-Stadt oft motiviert. Jetzt hat Trainer Andreas Brehme das Training reduziert. "Alle Kräfte für dieses Spiel bündeln", sagt er. An eine Niederlage denkt der Weltmeister von 1990 nicht. Auf alle Fälle spricht er nicht darüber. Auch nicht über die "Wochen der Wahrheit", da er nach den Bayern gegen Schalke, Leverkusen und Dortmund spielen muss. Noch blüht auf dem Fußballberg die Hoffnung. Wie bei Pfaff.

Robert Wischemann ist Insolvenzverwalter. Er hat den Verkauf von Pfaff nach Italien abgewickelt. "Die Menschen hier liegen mir am Herzen", sagt er. Der Aufsichtsratsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern kämpft gegen die große Furcht, sie könnten Pfaff dicht machen. Es wäre nur ein kleiner Trost, aber ein Sieg über München, der würde drei Punkte fürs Gemüt und gegen aufkeimende Ungeduld bringen, weil sich die Fußballer so schwer tun, sich ins internationale Geschäft zu spielen. Noch strömen die Fans ins Fritz-Walter-Stadion. Dabei hat sich vieles angesammelt. Die Affäre um Hany Ramzy, wegen sexueller Nötigung zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt (er fehlt wegen einer Sperre). Taribo West, dessen Frau in Nigeria von ihm geschlagen worden sein will. Dazu die betrübliche Aussicht, sportlich alles zu verspielen. Der "schwarze April" 2001, als sie aus den internationalen Rängen abstürzten, "spielt keine Rolle mehr. Diesmal spielen wir nicht im Uefa-Cup, der kostet", sagt Brehme und fordert: "Wir müssen jetzt endlich anfangen, gegen die Großen zu punkten."

Noch ein Jahr ohne Uefa-Cup oder Champions League wäre kein ernstes Problem, sagt Vorstandschef Jürgen Friedrich. "Es schränkt unsere Handlungsfähigkeit ein, das kann sich doch jeder ausrechnen. Das aber ist für die Bayern das wichtige Spiel, nicht für uns", beschwichtigt Friedrich. Lange, aber heißt es, wollen sich die Pfälzer Fußballfreunde Mittelmaß nicht mehr anschauen. Viele neue Spieler werden sie sich ohne internationale Millionen kaum leisten können. Als gelte es laut in den dunklen Wald zu pfeifen, reden die Profis von Erfolgen. "Das ist doch unser Vorteil, dass wir fast alle Großen noch bei uns daheim haben", sagt Torwart Georg Koch. "Wenn wir am Samstag gewinnen, sind wir wieder ganz dicht dabei." Er spricht davon, dass die Meisterschaft auf dem Betzenberg entschieden wird. Den Anfang, erzählen sie neben dem Trainingsplatz, werden sie gegen Bayern machen. Gegen die Reichen, die immer gewinnen, weil ihnen sogar die Schiedsrichter helfen.

Mario Basler legt wieder Lunten. Vor den Bayern habe jeder Angst, auch die Schiris, sagt Lauterns Spielmacher, der einst im Streit von den Münchnern schied. Diese Strategie hat den Vorteil, dass sie auf alle Fälle stimmt. Gewinnen die Pfälzer, hat Basler den Finger in die Wunde gelegt. Verlieren sie, wusste er es halt schon vorher.

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