Sport : Letzter Hauch von Hoffnung

Martin Schmitt läuft für Sotschi die Zeit davon.

Lars Becker
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Berlin - Am Wochenende hat es erstmals seit fast sieben Jahren wieder einen Weltcup in Martin Schmitts Schwarzwälder Heimat gegeben. Doch statt in Titisee-Neustadt zu springen, rutschte die deutsche Skisprung-Legende in der norwegischen Provinz durch die Anlaufspur, beim zweitklassigen Continentalcup in einem Flecken namens Rena. „Natürlich wäre ich gern in Titisee gesprungen. Aber es ist nicht so schlimm, wenn es jetzt nicht so ist“, sagt der bald 36 Jahre alte Routinier, der in Norwegen auf Rang acht und Rang fünf landete.

„Rena ist selbst für mich Neuland“, sagt Schmitt. Der Olympiasieger, viermalige Weltmeister und zweimalige Gesamtweltcupsieger macht diese Tingelei auf seine alten Skisprung-Tage mit, weil er seinen Traum von seinen fünften olympischen Spielen im letzten Winter seiner sportlichen Karriere nicht aufgeben will.

Die Leistungen vor der Saison haben nicht gereicht, um es ins Weltcup-Team zu schaffen. Die jungen Springer waren einfach zu stark – wie stark, haben sie bereits zu Saisonbeginn überzeugend nachgewiesen. In den ersten vier Einzelspringen flogen in Andreas Wellinger, 18 Jahre, Marinus Kraus, 22, Richard Freitag, 22, und Severin Freund, 25, gleich vier verschiedene Sportler aufs Podest. Auch Karl Geiger, 20, hat schon eine Teilnorm für den Sprung in das fünfköpfige deutsche Aufgebot für die Winterspiele von Sotschi erfüllt. Martin Schmitt läuft also bis zur Olympia-Nominierung die Zeit davon.

„Das Niveau in Deutschland ist höher geworden, und das ist gut so“, sagt Schmitt. Er glaubt, dass er noch eine kleine Chance hat, es ins Olympia-Team zu schaffen. Über die Continentalcups in Rena und Lahti will er ins Aufgebot für die Vierschanzentournee rutschen. Dort darf in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen neben dem Weltcup-Team eine nationale Gruppe starten.

Doch es wird eine Glanzleistung brauchen, um das Unmögliche – also den Sprung zu Olympia – noch möglich zu machen. „Ich muss mich bei der Tournee schon extrem stark präsentieren und aus eigener Kraft mindestens unter die Top Ten springen können“, sagt Schmitt. „Ich versuche es einfach bis zuletzt.“

Das ist auch seine Antwort auf die ständigen Fragen, warum er seine Karriere nicht längst beendet hat. Abgeschrieben wurde er oft, doch zwischen all den Tiefpunkten der vergangenen zehn Jahre hat er immer wieder bewiesen, dass er ein Meister des Comebacks ist. Die WM-Silbermedaille von 2009 war so ein Beispiel, auch der zehnte Platz bei der Vierschanzentournee im vergangenen Winter. Martin Schmitt ist immer seinen eigenen Weg gegangen, und so wird er auch seine Entscheidung treffen, falls es nicht für Sotschi reichen sollte: „Man kann in jedem Fall davon ausgehen, dass das mein letzter Winter als Skispringer ist.“ Martin Schmitt dürfte dem Skispringen auch danach in jedem Fall erhalten bleiben. Bis 2015 wird er seine Diplom-Trainer-Ausbildung in Köln abschließen, und es ist bei seinen Fähigkeiten wahrscheinlich, dass er dann an prominenter Stelle eine Rolle im Trainergeschäft spielen wird.Lars Becker

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