• Letztes Spiel für seinen Klub: Tischtennis-Genie Waldner darf nicht in Rente gehen

Letztes Spiel für seinen Klub : Tischtennis-Genie Waldner darf nicht in Rente gehen

An diesem Donnerstag will Jan-Ove Waldner sein letztes Spiel bestreiten. Damit geht auch im Tischtennis das 20. Jahrhundert zu Ende.

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Sein letztes Engagement in Deutschland. Waldner spielte bis 2012 in der Bundesliga für den TTC Fulda-Maberzell.
Sein letztes Engagement in Deutschland. Waldner spielte bis 2012 in der Bundesliga für den TTC Fulda-Maberzell.Foto: Imago

Im Stockholmer Vorort Hägersten spielt sich am Donnerstagabend ein Stück Sportgeschichte ab. Zum letzten Mal lässt Jan-Ove Waldner den Tischtennisball in einem Punktspiel übers Netz fliegen, für Spårvägens BTK, seinem ersten Verein, bei dem der Schwede jetzt mit 50 Jahren seine Karriere beendet. Damit geht nun auch im Tischtennis das 20. Jahrhundert zu Ende.

Waldner ist der vielleicht begabteste Spieler, den seine Sportart bisher erlebt hat. Und genauso wie seine beiden Weltmeistertitel im Einzel 1989 und 1997 (dabei ohne Satzverlust) und sein Olympiasieg 1992 in Barcelona zeigt das zum Beispiel sein Blick. Er kann in eine Sporthalle gehen, in der es vor jungen Tischtennistalenten nur so wimmelt und innerhalb von wenigen Momenten sagen, aus wem einmal ein großer Spieler wird. Bei seinen Gegnern war sein Blick gefürchtet. Denn er sah immer, wo sie den Ball am schlechtesten erreichen würden. „Er konnte jeden Gegner überlisten“, hat Rekord-Europameister Timo Boll einmal über ihn gesagt, „sein Spiel ist wirklich einzigartig, weil er es besser als jeder andere Spieler geschafft hat, die Schwachpunkte des Gegners zu treffen.“ Das ist Waldners Genie.

So zu spielen und dabei auch noch keine Miene zu verziehen, hat ihn seinen Gegnern manchmal unheimlich gemacht. Er wurde als „Mozart des Tischtennis“ geadelt, und als sein Bauch sich mit den Jahren unter dem Trikot unübersehbar wölbte nannte ihn die „taz“ den „Mozart mit Kugel“. Seine Siege gegen die besten Chinesen haben ihm dort auch mehr Respekt als Ärger eingebracht, er durfte jedenfalls in Peking eine eigene Bar eröffnen, in der schwedische Spezialitäten gereicht werden.

Waldner ist immer etwas unnahbar geblieben, dass aus ihm ein geselliger Trainer wird, ist unwahrscheinlich. Für die Tischtenniswelt sollte sein letzter Ballwechsel jedoch ein Alarmsignal sein. Waldners Wissen und sein Genie müssen unbedingt konserviert werden. Bevor er sich einfach so in Stockholm zur Ruhe setzt, wird es hoffentlich genügend Bürger der Tischtenniswelt geben, die ihn noch zum Erzählen bringen.

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