Sport : Leuchtende Augen

Stefan Hermanns

über Länderspiele zwischen Deutschland und Brasilien Eine der schönsten Geschichten bei Spielen zwischen Deutschland und Brasilien hat sich im Juni 1993 in Washington zugetragen. Ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in den USA sollte das amerikanische Publikum mit der Schönheit des Fußballspiels vertraut gemacht werden. Brasilien spielte deshalb gegen Deutschland, und um die kritischen Amerikaner zu überzeugen, sollte es möglichst viel Spektakel geben, also sollten viele Tore fallen. Ein 3:3 zum Beispiel wäre ein schönes Ergebnis gewesen, so, wie es vor dem Anpfiff schon auf der Anzeigetafel gestanden hatte. Zur Pause sah es jedoch nicht danach aus. Brasilien führte bereits 3:0. Doch in der zweiten Hälfte kämpfte sich der amtierende Weltmeister zurück. Jürgen Klinsmann schaffte den Anschlusstreffer, Andreas Möller verkürzte zehn Minuten vor Schluss auf 2:3, und wieder war es Klinsmann, der tatsächlich zum 3:3 ausglich. Zufälligerweise in letzter Minute.

Der neue Bundestrainer ist damit der einzige Deutsche, der in einem Spiel zwei Tore gegen Brasilien erzielt hat. Ohnehin hat Klinsmann ein besonderes Verhältnis zu Brasilien. Am 12. Dezember 1987 bestritt er in Brasilia das erste seiner 108 Länderspiele (1:1). Bei Brasilien, „da leuchten einem die Augen“, sagt Klinsmann. Wobei den Deutschen die Augen nur selten vor Freude geleuchtet haben, allenfalls vor Bewunderung.

Die Bilanz des Deutschen Fußball-Bundes gegen den fünfmaligen Weltmeister ist eher dürftig. Von 18 Spielen haben die Deutschen gerade drei gewonnen. Dem stehen elf Niederlagen gegenüber. Nur gegen England, Italien, Schweden und Ungarn hat die Nationalmannschaft noch häufiger verloren – in jeweils sehr viel mehr Spielen. Die Auswahl der DDR hat in vier Begegnungen mit Brasilien lediglich ein Unentschieden geschafft. Ein Rückblick:

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Der erste Sieg in Stuttgart

Am 16. Juni 1968 gelang den Deutschen im dritten Spiel der erste Sieg gegen die Südamerikaner. „Nicht zu übersehen war jedoch, dass die Brasilianer nur ein Schatten von einst waren“, schrieb der Tagesspiegel. Siegfried Held und Bernd Dörfel schossen beim 2:1 in Stuttgart die Tore für die Deutschen – und der Sieg hätte weit höher ausfallen können. „Brasilien entging einem Gemetzel“, berichtete das „Journal dos Sports“. Bei den Südamerikanern fehlte allerdings Superstar Pelé, der bei der Europatournee mit seinem Verein FC Santos mehr Geld verdienen konnte.

Glanzloses 2:0 in Frankfurt

Bis zum nächsten Erfolg der Deutschen dauerte es fast 18 Jahre. Im März 1986, drei Monate vor der WM in Mexiko, gewann das Team von Franz Beckenbauer in Frankfurt 2:0, der Tagesspiegel aber hatte gegen eine brasilianische Mannschaft mit drei Debütanten „eine Leistung ohne Glanz“ gesehen. Hans-Peter Briegel brachte die Deutschen nach 80 Sekunden in Führung. Klaus Allofs erzielte kurz vor Schluss den zweiten Treffer. Trotzdem sagte der argentinische Trainer Cesar Luis Menotti nach dem Spiel: „In der deutschen Elf hat mir nichts gefallen.“

Brutale Brasilianer in Köln

Der bisher letzte Sieg gelang den Deutschen im November 1993 in Köln. Guido Buchwald schoss die Deutschen in Führung. Nur eine Minute nach dem Ausgleich durch Evair erzielte Andreas Möller den 2:1-Endstand. Doch wie bei allen deutschen Siegen waren die Brasilianer nicht mit ihrer besten Mannschaft angetreten. Auf dem Feld standen nur fünf Spieler, die acht Monate später Weltmeister wurden. „Von der brasilianischen Fußballkunst habe ich nicht viel gesehen“, sagte Bundestrainer Berti Vogts. „Dafür umso mehr von der brutalen Spielweise der Gäste.“ Sechsmal sahen sie Gelb.

Rivelinos Freistoß in Hannover

Seitdem haben die Deutschen noch dreimal gegen Brasilien gespielt – und dreimal verloren. Die letzte Niederlage kassierten sie 2002 im WM-Finale. Obwohl beide Länder so viele WM-Spiele bestritten haben wie kein anderes Land – Brasilien 86, Deutschland 84 –, war das Finale von Yokohama das erste Pflichtspiel beider Mannschaften gegeneinander. Nur die DDR hatte bereits ein WM-Spiel gegen Brasilien bestritten, 1974 in Hannover. In der zweiten Finalrunde verloren die Ostdeutschen unglücklich mit 0:1. Bei einem Freistoß hatte sich Jairzinho in die DDR-Mauer gemogelt. Als Rivelino schoss, sprang sein Teamkollege zur Seite, durch die Lücke flog der Ball ins Tor. „Wir hätten dieses Spiel nie und nimmer verlieren dürfen“, sagt Gerd Kische noch heute. An ihm vorbei war der Ball durch die Mauer geflogen.

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