Leverkusen - Bayern 1:1 : Bayern übernimmt Tabellenspitze

Der FC Bayern München verpasst beim 1:1 gegen Bayer Leverkusen den Sieg – und übernimmt trotzdem die Tabellenführung am achten Spieltag der Bundesliga.

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Zoff zum Schluss: Leverkusens Hegeler will einen Elfmeter, doch Schiedsrichter Kircher gibt ihn nicht.
Zoff zum Schluss: Leverkusens Hegeler will einen Elfmeter, doch Schiedsrichter Kircher gibt ihn nicht.Foto: dpa

Als Sidney Sam um 20.09 Uhr den Platz verließ, führte ihn sein Weg unter anderem an Emir Spahic vorbei. Der dunkelhaarige Innenverteidiger der Leverkusener wollte den Mitspieler nicht einfach so gehen lassen. Immerhin hatte Sam dem Team von Bayer Leverkusen mit seinem Treffer in der 31. Minute ein extrem glückliches Remis gegen den FC Bayern München beschert – und das musste belohnt werden. Also nahm Spahic Sams Kopf zwischen beide Hände und drückte dem 25-jährigen Mittelfeldspieler einen dicken Schmatz auf die Backe. Erst dann durfte Sam den Rasen verlassen. Zehn Minuten später war das 1:1 amtlich.

Allerdings mussten die Leverkusener noch dramatische Schlussminuten überstehen. Sowohl der spät eingewechselte Mario Götze für die Bayern sowie Heung-Min Son für die Gastgeber vergaben letzte Großchancen. Zwischendurch musste noch Leverkusens Rechtsverteidiger Giulio Donati auf der Linie klären. Stolz konnten die Leverkusener auf diesen Punktgewinn allerdings nicht sein – im Gegensatz zu den Münchnern, die drei Tage nach ihrem starken Auftritt beim 3:1 in der Champions League bei Manchester City die nächste Gala hatten folgen lassen. Nur das Ergebnis passte nicht zum überlegen geführten Spiel.

Vielleicht war das auch der Grund, weshalb der Bayern-Trainer nach dem Schlusspfiff ein paar Minuten einsam auf seinem Platz sitzen blieb. Dann hatte Pep Guardiola das Resultat sacken lassen und war bereit zu einer Lobeshymne. „Ich bin sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft“, sagte er, „wir haben sehr gut gespielt, hatten 17 oder 18 Torschüsse.“ Die verlorenen zwei Punkte wird der Spanier am Abend vor seinem ersten Gang aufs Oktoberfest aber leicht verkraften. „So ist Fußball manchmal“, sagte Pep Guardiola, „und wir sind Tabellenführer – das ist das Wichtigste.“

Konkurrent Dortmund hatte den Bayern den Weg an die Ligaspitze mit seiner Niederlage in Mönchengladbach frei gemacht. Nun liegen die Bayern einen Zähler vor den punktgleichen Teams aus Dortmund und Leverkusen. Als Guardiola den Statistikbogen zur Partie in der Leverkusener Arena in der Hand hielt, sah er, dass er sich in punkto Bayern-Chancen sogar klar verschätzt hatte: 27 Mal schossen seine Spieler aufs Leverkusener Tor, Bayer brachte es auf spärliche fünf Versuche.

Der Treffer von Sidney Sam, der einen von Bayern-Keeper Manuel Neuer zur Seite abgewehrten Schuss zum Ausgleich nutzte, war einer davon. Er war die postwendende Antwort auf den Führungstreffer der Bayern. Der starke Franck Ribéry genoss es auf der linken Seite, dass ihn Innenverteidiger Ömer Toprak vor lauter Ehrfurcht nicht angriff. Der Franzose legte den Ball zurück auf Toni Kroos, der völlig allein gelassen von seinen früheren Kollegen zum 1:0 traf.

Öfter jubeln durfte die Guardiola-Elf allerdings nicht mehr – trotz exzellenter Chancen, die hochkarätigsten davon vergeben von Thomas Müller und Xherdan Shaqiri. „Unsere Chancenverwertung heute war wie eine Krankheit. Das fühlt sich an wie eine Niederlage“, gestand Nationalspieler Thomas Müller, der nach einem Foul von Toprak auf Elfmeter plädiert hatte.

Den allerdings gab es nicht, dafür aber ein dickes Lob von Pep Guardiola an Bernd Leno, Leverkusens Besten. Nach dem Schlusspfiff gab der Katalane dem überragenden Bayer-Torwart einen anerkennenden Klaps auf den Rücken. „Bayern München und Leverkusen haben mit elf Spielern gespielt – und Leno war einer davon.“ Und zwar ein ganz entscheidender.

Als „Weltklasse“, bezeichnete Bayer-Kapitän Simon Rolfes die Leistung des 21-jährigen Leverkusener Keepers, der sich klugerweise auf solch einen Abend eingestellt hatte. „Das war schon zu erwarten“, sagte Bernd Leno und adelte seinerseits den Gegner: „Die Bayern sind schon teilweise eine Übermannschaft.“

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