Leverkusen - Hamburg 1:1 : Welker Abschied

Bayer Leverkusen muss nach dem 1:1 gegen den Hamburger SV um Platz zwei bangen. Die Bayer-Fans sind frustriert und schmähen ihren Trainer mit "Heynckes raus"-Rufen.

Gregor Derichs
Die Bayer-Krux: Zum Saison-Ende geht die Puste aus.
Die Bayer-Krux: Zum Saison-Ende geht die Puste aus.Foto: AFP

Die mit warmen Worten überreichten Blumen welkten beim Sommerwetter schnell. Das vor dem Spiel zum Abschied an Jupp Heynckes überreichte floristische Gebinde passte auch irgendwie gar nicht zu diesem Tag mit einer fußballerischen Trauervorstellung. Beim letzten Heimspiel als Trainer von Bayer 04 Leverkusen musste Heynckes erkennen, dass seine Mannschaft bei aller spielerischen Leichtigkeit doch gravierende Mängel aufweist. Mit dem 1:1 (0:1) gegen den nun in sechs Spielen sieglosen Hamburger SV gerät Platz zwei und die direkte Qualifikation für die Champions League noch einmal in akute Gefahr.

Das Team wirkte nach dem 0:1 durch Heiko Westermann, der einen Fehler von Bayer-Torwart Rene Adler ausnutzte, stark verunsichert. Dazu kam wieder eine seltsame Reaktion der Fans, die Sprechchöre und Gesänge gegen Heynckes anstimmten. „Meine Mannschaft hätte es verdient, unterstützt zu werden. Das ist anders als bei Schalke, Dortmund und anderen. Darum hat es meine Mannschaft schwerer“, erklärte Heynckes. Die HSV-Fans gaben ihrem Team einen starken Support und sorgten für eine stimmliche Übermacht in dem mit 30 210 Zuschauern vollbesetzten Stadion.

Früh kam erhebliche Unruhe auf. Die Bayer-Fans feierten Michael Ballack, obwohl dieser von Heynckes überraschend nicht aufgestellt worden war und erst in der 57. Minute, nachdem Stefan Kießling das 1:1 erzielt hatte, eingewechselt wurde. „Ich wollte rotieren“, begründete Heynckes den Verzicht auf den noch immer offiziell als solchen geführten Kapitän der Nationalmannschaft. Als Heynckes, der zum FC Bayern München wechselt, auch noch den beim Bayer-Anhang beliebten Finnen Sami Hyypiä durch den zusätzlichen Stürmer Eren Derdiyok ersetzte, stimmten die Fans „Heynckes raus“-Rufe an. „Das trifft mich überhaupt nicht. Ich bin schon zu lange im Geschäft“, sagte der 65-Jährige. Er habe Hyypiä wegen einer Verletzung auswechseln müssen.

Die seit 14 Spieltagen auf Platz zwei liegenden Leverkusener gerieten wie zuletzt in München und in Köln aus der Spur. In der zweiten Halbzeit wurde die Begegnung mit vielen Torchancen immerhin sehr lebhaft, die Teams agierten bei dem offenen Schlagabtausch ausgeglichen. Für Leverkusen traf Arturo Vidal den Pfosten, kurz vor Schluss sorgte Jonathan Pitroipa für eine sehr kuriose Szene, als er – obwohl ganz allein auf Adler zulaufend, dann vor ihm stehend und schließlich liegend – den Siegtreffer nicht erzielen konnte.

Durch das Remis kam Bayern München noch näher an Leverkusen heran. Bayer muss nun als Tabellenzweiter den Vorsprung in Freiburg verteidigen, wo noch der künftige Leverkusener Trainer Robin Dutt arbeitet. „Wir werden ganz anders spielen“, sagte Heynckes. „Wir werden den fehlenden Punkt noch holen.“

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