Sport : Leverkusen - Hertha: Ein Ausflug, der die Berliner zurückwirft

Diese mehrtägige Dienstreise sollte sich für Hertha BSC nicht lohnen. Zunächst verpassten die Berliner unter Woche in Mailand nach einer guten Leistung das Achtelfinale im Uefa-Cup. Von dort aus waren sie in den Westen des Landes gereist, um bei Bayer Leverkusen die Tabellenführung in der Bundesliga zurückzuerobern. Ein Unterfangen, das gehörig daneben ging. Hertha unterlag Leverkusen mit 0:4 (0:2) und war damit noch gut bedient. Leverkusen dagegen hat sich vor 22 500 Zuschauern in der BayArena nach drei Niederlagen in Serie die Tabellenführung eindrucksvoll zurückerobert.

Leverkusens Trainer Berti Vogts musste vor dem Spitzenspiel weiteren personellen Rückschlag verkraften. Der Brasilianer Ze Roberto meldete sich mit einem Muskelfaserriss ab, nachdem schon die Leistungsträger Jens Nowotny und Michael Ballack verletzungsbedingt nicht mitwirken konnten. Trotzdem erwischte der Vizemeister im Duell der Uefa-Cup-Verlierer den besseren Start. Die Gastgeber wirkten frischer, spielfreudiger und engagierter. Aus stark abseitsverdächtiger Position erzielte dann Oliver Neuville nur zwei Minuten später das Führungstor für Bayer. Die Vorarbeit hatte Carsten Ramelow geleistet. Der Berliner Pal Dardai hatte den Ball im eigenen Strafraum vertendelt und diese Gelegenheit für Leverkusen überhaupt ermöglicht.

Der ehemalige Bundestrainer Vogts verließ in der 16. Minute sichtlich zufrieden seinen Tribünenplatz, um sich auf die Bank der Leverkusener zu setzen. Wie schon in den vorausgegangenen Heimspielen hatte er die Nähe zwischen Tribüne und Trainerbank genutzt, um sich einen besseren Blick zu verschaffen. Nur drei Minuten später konnte er schon wieder aufspringen. Einen herrlichen Außenristpass von Ulf Kirsten verwertete wiederum Neuville mit seinem achten Saisontreffer zum 2:0. Allerdings profitierte der Nationalstürmer von einem krassen Fehler des angeschlagenen Liberos Andreas Schmidt, der sich verschätzte und postwendend ausgewechseln ließ.

Die Berliner hatten große Probleme, ihren Spielaufbau zu koordinieren. Vieles blieb Stückwerk. Hinzu kamen katastrophale Abwehrfehler. Rehmer, der sich um Neuville zu kümmern hatte, sowie Sverrisson, der an die Seite Kirstens gestellt worden war, agierten überhastet und hektisch. Die Übergabe funktionierte nicht, zudem erwies sich der Einsatz des angeschlagenen Schmidts als unglücklich.

Für ihn kam der ehemalige Leverkusener Stefan Beinlich. Herthas Trainer Jürgen Röber ging nun volles Risiko, ließ in der Abwehr Mann gegen Mann spielen und beorderte Beinlich nach längerer Verletzungspause als zusätzlichen Mann ins Mittelfeld. Herthas einzige Chance entsprang einer Standartsituation. Sebastian Deisler, der auf seiner rechten Außenseite ebenso wenig zu Stande brachte wie Michael Hartmann auf der linken, setzte einen Freistoß Millimeter am Leverkusener Gebälk vorbei (43.).

In der Halbzeitpause forderte Herthas Manager Dieter Hoeneß ein anderes Gesicht seiner Mannschaft. "Ich hoffe, dass noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft geht. Jeder sehnt sich nach der Winterpause, aber jetzt kommt es noch einmal darauf an, aufzustehen, und bis zum letzten Spieltag vor Weihnachten zu kämpfen". Röber brachte nun Alex Alves für Ali Daei. Und der Brasilianer brachte im besten Sinne des Wortes Stimmung ins Spiel. In der ersten Halbzeit wurden sowohl Daei als auch Michael Preetz von Leverkusens Kroaten Zivkovic und Vranjes abgemeldet. Nach einer eigentlich harmlosen Rangelei bekam Alves von Schiedsrichter Heynemann die Rote Karte (70.) gezeigt, was die Gemüter der Berliner erregte. Noch ehe sich die Situation beruhigt hatte, sorgte ein Elfmeterpfiff (72.) gegen Hertha für weitere Hektik. Kiraly hatte Kovac leicht touchiert. Heynemann zögert nicht. Den schwach von Kirsten geschossenen Strafstoß konnte Kiraly halten. Ganze zehn Minuten später musste sich dieser aber geschlagen geben. Dariusz Wosz hatte Vranjes im Strafraum zu Fall gebracht. Den fälligen Elfmeter verwandelte Paulo Rink souverän zum 4:0 (82.).

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