Leverkusen - Mainz 3:2 : Bender bewahrt Bayer vor Fehlstart

Für Leverkusen und seinen umstrittenen Trainer Robin Dutt ist der Neuanfang dank eines späten Treffers von Lars Bender geglückt. Nach der desolat verlaufenen ersten Halbserie kam Bayer zum Rückrundenauftakt zu einem hart erkämpften 3:2 (2:0) gegen Mainz.

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Lars Bender bewahrte Bayer Leverkusen mit seinem Kopfballtor vor einem Fehlstart.
Lars Bender bewahrte Bayer Leverkusen mit seinem Kopfballtor vor einem Fehlstart.Foto: afp

Mit gezielten Meinungsäußerungen hat Manuel Friedrich normalerweise überhaupt kein Problem, die unfreundlichen Reaktionen der Leverkusener Fans auf den 3:2 (2:0)-Erfolg ihrer Mannschaft gegen Mainz 05 ließen Bayers bärtigen Innenverteidiger aber doch sehr ratlos zurück. Denn in der Leverkusener Arena wurde gestern Abend vor saisonaler Minuskulisse von 24.365 Zuschauern viel gepfiffen: Das Fußballvolk protestierte bei der Auswechslung von Michael Ballack in der 60. Spielminute. Es maulte, als Eren Derdiyok zehn Minuten vor Schluss vom Platz ging. Und auch den Abpfiff von Referee Michael Weiner unterlegte der Leverkusener Anhang mit wüsten Pfiffen. Trotz der drei Punkte, mit denen Leverkusen Platz sechs gefestigt und sich bis auf einen Punkt an den nächsten Gegner Bremen heran geschoben hat.
Natürlich frage man sich da, warum gepfiffen werde, sagte Friedrich. Der Abwehrchef von Bayer sagte etwas mutlos: „Aber wir können es ja auch nicht ändern.“ Mit dem 32-Jährigen gemeinsam verwirrt war Robin Dutt, der viel gescholtene Cheftrainer der Rheinländer. „Dass bei einem Sieg gepfiffen wird, ist neu für mich. Aber man hat mir gesagt, dass das in Leverkusen nicht ungewöhnlich ist. Damit müssen wir jetzt professionell umgehen“, sagte Dutt. „Wahrscheinlich war da auch noch eine Rest-Unzufriedenheit wegen unserer Vorrunde dabei.“
Die enttäuschende erste Halbserie des Champions-League-Achtelfinalisten in der Liga hatte zweierlei Konsequenzen: Die Bayer-Führung musste Dutt demonstrativ den Rücken stärken, und der Coach selbst musste, wie er sagte, „an ein paar Stellschrauben“ im drögen Spiel seiner Mannschaft drehen. So war der 18-jährige Nachwuchsmann Danny da Costa, der gegen Ende der Partie schwer abbaute, am Führungstor entscheidend beteiligt. In seinem zweiten Bundesligaspiel preschte der Rechtsverteidiger nach vorne, flankte scharf auf Ballack, der einschussbereit vor dem Gästetor stand. Den Fuß hinzuhalten brauchte der Ex-Capitano aber nicht, den Job erledigte FSV-Verteidiger Zdenek Pospech für ihn.

Nach dem Mainzer Eigentor erlahmte Bayers Angriffsschwung etwas, ohne dass die Gäste daraus Kapital geschlagen hätten. Thomas Tuchel war offenkundig genervt von seiner behäbigen Elf. „Die erste Halbzeit war ein sehr ernüchternder Auftritt von uns“, sagte er später. Das Leverkusener 2:0 durch Manuel Friedrich, der einen Eckball von Gonzalo Castro in der 35. Minute mit dem Kopf über die Linie drückte, hatte seine Laune zusätzlich verschlechtert
Bei Halbzeit reagierte der Mainzer Coach mit zwei Einwechslungen: Im Mittelfeld ersetzte der Italo-Deutsche Marco Caliguri den Nigerianer Anthony Ujah, im Angriff kam der Ungar Adam Szalai für den Deutsch-Türken Deniz Yilmaz aufs Feld. Und die Umstellungen trugen rasch Früchte: Nach 50 Minuten gelang Eugen Polanski das Anschlusstor, der eingewechselte Caliguri erzielte nur drei Minuten später den Ausgleich – und Robin Dutt sah dem Treiben fassungslos zu.
Immerhin: Irgendwann nahm sein schwer verunsichertes Ensemble wieder am Spiel teil, kam durch Lars Benders Kopfballtor nach einer Ecke von Michal Kadlec auch zum Siegtreffer und konnte sich am Ende zumindest seiner intakten Moral rühmen. „Die erste Halbzeit war ein deutlicher Schritt nach vorn, die zweite Hälfte war dann nicht so gut“, sagte Dutt. Er gestand damit ein, dass sich an Bayers Instabilität in der Winterpause wohl nichts Entscheidendes geändert hat.

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