Sport : Leverkusen - Schalke: Der Traum von Platz sechs

Mark Kühn

Es hätte ein wunderschöner Abend werden können. Die Voraussetzungen für die Fußballprofis von Bayer Leverkusen vor dem Bundesliga-Duell gegen Schalke 04 waren alles andere als schlecht. Der FC Bayern war schon am Nachmittag gestrauchelt, zudem hatte Schalke noch nie in Leverkusen gewonnen. Und dann hatte Bayer noch einen Mann zwischen den Pfosten, der ein Garant für drei Punkte sein sollte: Frank Juric, der Australier. Mit dem Mann, der so gern in heimischen Gewässern surft, hatte Bayer noch nie ein Bundesligaspiel verloren. Erst am Sonnabendfrüh hatte die nominelle Nummer drei des Kaders erfahren, dass Stammtorwart Matysek wegen eines Bänderrisses nicht würde spielen können.

Alles in Butter also für Bayer Leverkusen? Keineswegs. Am Ende kam, wie das im Fußball eben manchmal passiert, alles wieder mal ganz anders. Statt des erhofften Aufschließens zum Tabellenführer FC Bayern gab es eine herbe 0:3-Pleite gegen die Schalker. Und im Gegensatz zu den Verantwortlichen der Werkself, die gerne davon reden, endlich einen Titel holen zu wollen, übten sich die Schalker nachher in vertrauter Bescheidenheit. "Wir sind mit einem Platz unter den ersten Sechs zufrieden", meinte Torwart Oliver Reck, der nach dieser Antwort - wohl wegen seines ausgeprägten Hangs zum Understatement - in viele lächelnde Gesichter blickte. Für eine Mannschaft, die sich soeben auf Platz zwei gehievt hatte, kamen die Schalke überaus nüchtern aus der Kabine. Euphorie? Fehlanzeige. Manager Rudi Assauer, der seinen Angestellten strengstens verboten hat, vom Titel auch nur zu träumen, hat wohl ganze Überzeugungsarbeit geleistet.

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Tipp-Spiel Dass die Stimmung auf der anderen Seite völlig am Boden war, verwunderte niemanden. Manager Reiner Calmund, nicht gerade als medienscheu bekannt, flüchtete nach der teilweise hilflosen Vorstellung seiner Elf ungewohnt flink aus der BayArena. Torwarttrainer Toni Schumacher lieferte sich im Kabinengang eine heftige Auseinandersetzung mit einer Vereinsangestellten. Auch Übungsleiter Berti Vogts wirkte niedergeschlagen. "Es hat keinen Sinn, über die Ursachen zu reden, aber man muss schon bereit sein, 90 Minuten lang zu kämpfen, wenn man ein Spiel noch umbiegen will", meinte der Fußballlehrer vielsagend.

Der ehemalige Bundestrainer mag sich damit trösten, dass die "Berti-raus"-Rufe mehrheitlich aus der Schalker Kurve kamen. Die träge Darbietung der Gastgeber mag viele Gründe haben. Mit Michael Ballack und Robert Kovac (beide gesperrt) fehlten der Spielgestalter und ein Defensivarbeiter, der die überforderten Jens Nowotny und Lucio hätte unterstützen können. Den beiden Verteidigern war anzumerken, dass die Verpflichtungen in ihren Nationalmannschaften deutliche Spuren hinterlassen haben. Die Schalker Offensivkräfte freuten sich über die kaum erwarteten Freiheiten. "Leverkusen ist uns mit seiner offensiven Ausrichtung entgegen gekommen", meinte Schalkes Ebbe Sand, der mit dem Torschützen zum 0:2 Emile Mpenza toll kombinierte, diplomatisch. Gerald Asamoah, der mit einer feinen Einzelleistung das 3:0 markiert hatte, wurde deutlicher: "Nach der Führung waren wir ganz stark mit Kontern, die haben uns dann nicht mehr in den Griff gekriegt."

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