Leverkusen : Toni Kroos wechselt zu Bayer

Leverkusen sichert sich das nächste Juwel und setzt den Jugendstil weiter fort. Toni Kroos nutz Bayer als Ausbildungsverein.

Felix Meininghaus[Dortm]
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Toni Kroos

Nachdem der Schlusspfiff ertönt war, ballte Bruno Labbadia seine rechte Hand zur Faust und schleuderte seinen Arm mit Wucht nach unten. Es war eine Geste der Wut und der Ohnmacht. Seine eigenen Spieler waren es, die den ehemaligen Stürmer aus der Fassung brachten. Bayer Leverkusen hatte bei Borussia Dortmund vor 73 700 Zuschauern in der zweiten Halbzeit den Gegner förmlich an die Wand gespielt. Helmes, Kießling und Barnetta vergaben größte Möglichkeiten, als Krönung vollbrachte Simon Rolfes das Kunststück, den Ball aus wenigen Zentimetern nicht über die Linie zu bekommen. Am Ende stand ein 1:1 (0:1), aber das war aus Labbadias Sicht viel zu wenig.

Leverkusens hochbegabtes Ensemble wäre zweifellos zu Höherem berufen, wenn sich die Mannschaft mit ihrem jugendlichen Eifer nicht so oft selbst im Wege stehen würde.Trotzdem hat Labbadia ein Ensemble Hochbegabter zusammen, das er zu selbstverantwortlichem Denken und Handeln erzieht, ohne die Spieler dabei allein zu lassen. So verfügte er in Dortmund, Arturo Vidal habe die vollen 90 Minuten auf dem Platz zu stehen, obwohl er schon früh rotgefährdet war. In der Pause schärfte er dem Chilenen ein, seine Zweikämpfe besser zu dosieren. „Ich weiß, es war ein Risiko“, sagte Labbadia, „aber wenn er runtergeflogen wäre, hätte ich die volle Verantwortung übernommen.“ Bei so viel Rückendeckung und Fürsorge gedeiht es sich gut.

Das hat sich wohl auch Toni Kroos gedacht. Am Rande des Spiels wurde bekannt, dass Deutschlands größtes Talent für eineinhalb Jahre auf Leihbasis vom FC Bayern München an den Rhein wechselt. „Toni muss natürlich auch bei uns um einen Platz im Kader kämpfen“, sagte Sportdirektor Rudi Völler, „aber wir sind absolut von seinen Qualitäten überzeugt.“ Völler betonte, die Initiative für den Transfer sei von den Bayern ausgegangen. Allerdings hatte auch Leverkusens Manager Michael Reschke bereits im April 2008 zu seinem Kollegen aus München gesagt: „Herr Hoeneß, wenn es irgendwann die Möglichkeit gibt, Toni Kroos auszuleihen: Denken Sie bitte an uns.“ Am Mittwoch war der Zeitpunkt gekommen, und Hoeneß fragte am Telefon: „Könnt ihr schnell reagieren?“

Bayer konnte, und damit wird Leverkusens Kader mit einem weiteren Juwel aufgewertet. Neben dem 19-jährigen Kroos kann Reschke auf weitere Talente verweisen, die bei Bayer reifen sollen. Daniel Schwaab (20) und der Schweizer Eren Derdiyok (20) werden in der kommenden Saison ebenfalls für Bayer spielen. Tatsächlich ist es bemerkenswert, dass Leverkusen als eine der besten Adressen gehandelt wird, wenn es um die Entwicklung von Perspektivspielern geht. „Toni Kroos wollte unbedingt zu uns“, sagte Labbadia nicht ohne Stolz, „das spricht für den Verein und für die Mannschaft.“ Und für den Trainer. Doch das hat der frühere Torjäger als Mann mit Stil natürlich für sich behalten.

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