Lewandowskis Wechsel : Wird Dortmund Bayerns Ausbildungsverein?

Robert Lewandowskis Wechsel zum FC Bayern München zeigt: Mit den großen Klubs in Europa kann Borussia Dortmund noch nicht mithalten.

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Ab in den Süden. Im Sommer zieht es Lewandowski nach München.
Ab in den Süden. Im Sommer zieht es Lewandowski nach München.Foto: Reuters

Das Foto zeigt Robert Lewandowski in schwarzer Lederjacke von schräg hinten, sein Gesicht ist nicht zu sehen, es ist von einer Wollmütze verdeckt. Eher nichtssagend, auch die ersten Informationen, die im Internet verbreitet werden, wonach der Stürmer am Samstag in München den Weg zum Medizincheck bei Bayerns Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit einem „blickdichten Fahrstuhl“ angetreten hat, klingen nicht gerade spektakulär. Es ist zu dieser Personalie in vielen Monaten bereits so viel gesagt worden, dass eigentlich nur noch die nackte Verkündigung berichtenswert ist.

Also: Robert Lewandowski wird Borussia Dortmund im Sommer ablösefrei verlassen und zu Bayern München wechseln, wo einer der besten Stürmer Europas dem Vernehmen nach mit einem Gehalt von neun Millionen Euro im Jahr entlohnt wird. Sein Vertrag ist bis ins Jahr 2019 datiert, wie der FC Bayern per Twitter mitteilte. So weit die Fakten, die niemanden umhauen, der das nervige Schauspiel um einen Spieler, seine Berater und diverse Fußballvereine regelmäßig verfolgt hat. Entsprechend gelassen reagierte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, schließlich weiß er seit geraumer Zeit, dass der polnische Nationalspieler nicht zu halten ist. Watzke spricht von einem „ganz normalen Vorgang“ und fügt hinzu: „Natürlich verlieren wir ungern so einen Spieler, aber Borussia Dortmund wird weiter Fußball spielen.“

So weit, so richtig. Doch die Frage ist, auf welchem Niveau dies geschehen wird. Mit dem Gewinn von zwei Deutschen Meisterschaften, einem Pokalsieg und dem Einzug ins Champions-League-Finale hat der Revierklub in den letzten Jahren für Furore gesorgt, die Messlatte aber auch reichlich hoch gelegt. Zu Recht spricht Watzke davon, es sei „wie ein Wunder, dass wir da stehen, wo wir heute sind“. Der BVB hat sich national hinter den alles dominierenden Bayern eingeordnet und agiert auf der europäischen Bühne mit Sichtkontakt zu den Global Playern aus Spanien, England und eben Bayern München.

Auf dem Kontinent „gibt es nicht so viele Klubs, die das bieten können, was wir zu bieten haben“, sagt Watzke. Und doch reicht es nicht, um die besten Spieler zu halten: Den inzwischen zurückgekehrten Nuri Sahin zog es zu Real Madrid, der Japaner Shinji Kagawa wechselte zu Manchester United, zuletzt warben die Bayern Mario Götze für 37 Millionen Euro ab.

Borussia Dortmund als Ausbildungsverein für den europäischen Geldadel?

Weitere Stars könnten demnächst folgen. Marco Reus hat eine Klausel in seinem bis 2017 datierten Vertrag, die es ihm ermöglicht, die Borussia im Jahr 2015 für eine festgeschriebene Ablöse von 35 Millionen Euro zu verlassen. Das kolportierte Angebot von Manchester United über 50 Millionen Euro wies der Nationalspieler zurück und betonte, vorerst in Dortmund bleiben zu wollen. Auch Ilkay Gündogan weckt die Begehrlichkeiten der Konkurrenz. Die Verhandlungen bezüglich einer Vertragsverlängerung gestalten sich zäh, immer wieder wird vom Interesse des spanischen Ausnahmeklubs Real Madrid berichtet.

Borussia Dortmund bleibt Geduld und Beharrungsvermögen

Borussia Dortmund als Ausbildungsverein für den europäischen Geldadel – sieht so das Schicksal des börsennotierten Klubs aus? Auch wenn er es gerne täte, kann Hans-Joachim Watzke diese Frage nicht verneinen. In den kommenden Jahren werde es „immer mal wieder so sein, dass andere Klubs unsere Spieler wollen“. Das sei mittelfristig nicht zu ändern: „Wir bieten unseren Spielern alles, außer der Tatsache, dass sie woanders noch viel mehr Geld verdienen können.“

Zweifellos hat der BVB in den letzten Jahren viel erreicht, aber um den Status quo zu halten oder sogar noch näher an die Spitze in Europa heranzurücken, seien „Kreativität und Nachhaltigkeit“ vonnöten, betont Watzke. Und ein langer Atem, der gerade im überdrehten Fußballbusiness nur schwierig zu gewährleisten sei. „Es gibt den schnelleren Weg über Großinvestoren“, sagt der 54-Jährige, „aber den wollen wir nicht.“

Was bleibt, sind Tugenden wie Geduld und Beharrungsvermögen. „Schauen Sie sich doch Klubs wie Bayern, Real, Barca oder Manchester United an“, sagt Watzke, „die stehen seit Ewigkeiten da oben.“ Um den Schritt in diesen Zirkel zu bewältigen, „gibt es keine Fünf-Jahres-Pläne. Dafür brauchst du länger – das ist wahrscheinlich ein Prozess über Jahrzehnte.“

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