LEWIS HAMILTON : Ganz auf Superstar getrimmt

Karin Sturm

Lewis Hamilton ist alles auf einmal. Er ist das Kind karibischer Einwanderer, das den Briten den ersten Titel seit Damon Hill 1996 bescheren soll (siehe Interview unten), der erste Schwarze in der Formel 1, der fröhliche Neuling, der unbekümmert das Establishment durcheinander wirbelt, der Familienmensch, der sich rührend um seinen behinderten Bruder kümmert, und nicht nur für Formel-1-Chef Bernie Ecclestone die neue Lichtgestalt der Formel 1, die Michael Schumacher vergessen macht. Ein solches Debüt wie das des 22-Jährigen hat die Formel 1 noch nie gesehen. Längst wurden die Schlagzeilen vom „ersten Schwarzen in der Formel 1“, die vor dem Saisonstart noch jede Berichterstattung über Hamilton begleiteten, abgelöst von denen über das größte Talent seit Schumacher, das am Sonntag in Sao Paulo der jüngste Weltmeister aller Zeiten werden kann. Vor allem in der Heimat hat Hamilton inzwischen Superstarstatus erreicht. Zum Rennen in Silverstone strömten die Fans in Massen wie seit Jahren nicht mehr, um ihr neues Wunderkind zu sehen. Britische Altstars wie Stirling Moss versteigen sich schon zu Sätzen wie: „Wer war schon Michael Schumacher im Vergleich zu Lewis Hamilton?“

Dabei ist Hamiltons Aufstieg kein wundersamer, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Schon als Zehnjähriger sprach er bei einer Kartsport-Veranstaltung Ron Dennis an und teilte dem Teamchef von McLaren mit: „Ich möchte später einmal für sie Formel 1 fahren.“ Dennis nahm ihn als 13-Jährigen tatsächlich unter seine Fittiche und ins McLaren-Nachwuchsförderprogramm auf. Hamilton erhielt die bestmögliche Betreuung und Förderung, auf und neben der Strecke. Er wuchs auf in einer hoch professionellen Umgebung – und er nutzte seine Chancen. Vom Kart kam er über die Formel-3-Euroserie in die Formel-1-Nachwusserie GP2, die er 2006 gewann. Natürlich hatte er das Glück, in diesem Jahr bei McLaren-Mercedes sofort in einem Spitzenteam in die Formel 1 einzusteigen, aber der Stil und die Perfektion, mit dem er seine Möglichkeiten auf der Strecke umsetzte, beeindruckte. Auch, wie er sich gegen seinen Teamkollegen, immerhin den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso, behaupten konnte.

In einem sollte man sich freilich nicht täuschen: Auch wenn sich Hamilton sehr geschickt weiterhin als der nette Junge von nebenan verkauft, dem die Intrigen in der Formel 1 zuwider sind („Wenn das so weiter geht, ist das kein Platz, an dem ich lange sein möchte“) – völlig harmlos ist der 22-Jährige nicht. Gerade im Verbund mit seinem ehrgeizigen Vater und Manager Anthony beherrscht er die kleinen Tricks schon genauso gut wie gestandene Formel-1-Größen. Auf wie neben der Strecke: Die Zickzack-Fahrt hinter dem Safety-Car in Fuji, um die Konkurrenten hinter sich zu verunsichern, hatte schon bestes Michael-Schumacher-Niveau. Karin Sturm

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