Lewis Hamilton : Mann ohne Fehler

Neuling Lewis Hamilton schwebt derzeit auf Wolke Sieben über die Rennstrecke - Teamkollege und Weltmeister Fernando Alonso schmollt.

Karin Sturm
Hamilton
Lewis Hamilton: "Es ist noch viel zu früh, jetzt schon an den WM-Titel zu denken." -Foto: AFP

    Berlin - Zwei Siege in Serie, in der WM als Neuling zehn Punkte vor dem amtierenden Weltmeister: Da neigen nach dem Großen Preis der USA in Indianapolis sogar Formel-1-Experten wie Niki Lauda dazu, Lewis Hamilton bereits zum neuen Helden zu stempeln – und Fernando Alonso zum Verlierer. Der Youngster, der den Meister demontiert, der Weltmeister, der unter Druck nervös wird, das verkauft sich bestens. Die Realität des Teamduells auf höchstem Niveau zwischen den beiden McLaren-Mercedes-Piloten ist indes komplexer.

Bei Hamilton kommt alles Positive zusammen: eine Art Naturtalent, mentale Stärke, die optimale Ausbildung und Vorbereitung, die in dieser Form noch nie ein Formel-1-Fahrer vor seinem Einstieg in die höchste Kategorie des Rennsports genossen hat, dazu kommt ein bisschen das Glück, genau im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Wäre Hamilton schon Anfang 2006 bei McLaren-Mercedes in die Formel 1 eingestiegen, etwa neben einem Kimi Räikkönen, dann wäre das Wunder mit Sicherheit so nicht möglich gewesen.

Aber der Zeitpunkt seines Einstiegs bei McLaren-Mercedes war exakt richtig gewählt. Nicht zuletzt durch Alonsos Verpflichtung bekam das Team einen gewaltigen Schub, die technischen und analytischen Fähigkeiten des Spaniers trugen dazu bei, dass McLaren-Mercedes in der Saison 2007 wieder zum dominierenden Team wurde. Und Hamilton, nach Jahren der Ausbildung, überwiegend am McLaren-Simulator, eigentlich kein echter Neuling mehr, kann das alles aufsaugen, umsetzen und ausnutzen. „Wieviel Lewis gerade von dieser Simulator-Arbeit profitiert hat, kann sich kaum jemand vorstellen“, sagt auch der viermalige Weltmeister Alain Prost, für den der Einstieg des Briten mit keinem anderen in der Vergangenheit vergleichbar ist.

Aber genau da liegt das aktuelle Problem für Fernando Alonso. In Sachen Speed unterscheiden sich die absoluten Topfahrer in der Formel 1, ob jung, ob alt, fast nicht mehr. Als Alonso Ende 2005 seinen McLaren-Vertrag unterschrieb, konnte er mit einer so außergewöhnlichen Situation nicht rechnen. Dass ihm der jetzige Zustand nicht gefällt und er das auch schon mal deutlich macht mit all dem südländischen Temperament, das hinter seiner coolen Oberfläche steckt, ist normal. Seine Stärken, seine Erfahrung, all das kann er im Moment gegenüber Hamilton nicht ausspielen, der auch ebenfalls alles in sich vereint, was einen Superstar der Formel 1 ausmacht. Selbst seine Entwicklungsarbeit, seine technischen Fähigkeiten gereichen Alonso nicht zum Vorteil in einem Team, in dem traditionell totale teaminterne Offenheit in Sachen Datentransfer herrscht. Auch in Strategiefragen hat Alonso kein Plus. Die Strategie wird heutzutage vor allem aus der Box entschieden.

In Indianapolis war der Spanier allerdings über zwei Teamentscheidungen nicht besonders glücklich: Zum zweiten Mal hintereinander musste er mit etwas mehr Sprit ins Qualifying und auch der Zeitpunkt des zweiten Boxenstopps passte ihm nicht. Dass der „auf Anweisung von oben“ vorgezogen wurde, sickerte nach dem Rennen aus Alonsos Crew durch. Er selbst wollte zu dem Thema lieber gar nichts mehr sagen.

Wer Teamchef Ron Dennis kennt, weiß, dass er öffentliche Kritik an seinem Team, wie zuletzt von Alonso, nicht so besonders schätzt – und dann gerne mal klarmacht, wer Herr im Hause ist. Seine beiden Fahrer bewegen sich jedenfalls auf praktisch gleichem Niveau – auf dem höchsten, das möglich ist. Dass die WM zwischen den beiden entschieden wird, gilt inzwischen als sicher. „Es ist noch viel zu früh, jetzt schon an den WM-Titel zu denken“, wiegelt Hamilton noch ab. Zehn Punkte - da wird auch Alonso noch nicht resignieren. Aber die spanische Zeitung „Marca“ hat erkannt: „Hamilton ist ein harter Knochen und mit jedem Rennen schwieriger zu knacken. In sieben Rennen hat er noch keinen einzigen Fehler gemacht.“ Karin Sturm

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