Lewis Hamilton : Rain man

Lewis Hamilton gewinnt sein Heimrennen in Silverstone - und hinter ihm jubelt Nick Heidfeld als Zweiter.

Karin Sturm[Silverstone]
Hamilton
Sein schönster Sieg. Lewis Hamilton genießt die Siegerehrung. -Foto: dpa

Im Regen von Silverstone erfüllte sich Lewis Hamilton seinen Traum: In überlegener Manier gewann der britische Formel-1-Pilot seinen Heim-Grand- Prix, den Großen Preis von England, brachte die 90 000 Zuschauer zum Jubeln – und sich wieder in eine bessere Position im WM-Titelkampf. Mit den Ferrari-Piloten Felipe Massa und Kimi Räikkönen liegt er jetzt mit je 48 Punkten an der Spitze. Auf Platz zwei kam Nick Heidfeld (Mönchengladbach) im BMW-Sauber, Dritter wurde sensationell der Brasilianer Rubens Barrichello im Honda.

„Das ist ein absoluter Traum“, sagte Hamilton jubelnd, nachdem er sich bei der Siegerehrung ein paar Freudentränen aus den Augen gewischt und die Champagnerflasche seinen Mechanikern zugeworfen hatte. „Es war die beste Erfahrung meines Lebens. In der letzte Runde habe ich gesehen, wie die Leute alle aufgestanden sind, da habe ich nur gebetet: Bitte bleib’ auf der Strecke, bitte, bitte!“.

Er blieb auf der Strecke, und deshalb jubelte auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug: „Lewis war über die 60 Runden im Schnitt mehr als eine Sekunde schneller als der Zweite.“

Das Rennen war chaotisch, aber Hamilton behielt die Übersicht. Er war von Platz vier gestartet und lieferte eine perfekte Vorstellung. Schon am Start machte er zwei Plätze gut und reihte sich hinter seinem führenden Teamkollegen Heikki Kovalainen ein, an dem er dann nach fünf Runden mühelos vorbei fuhr. Von da an beherrschte der 23-Jährige das Rennen souverän. Ihm half allerdings, dass sich Ferrari einen großen taktischen Fehler leistete: Das Team schickte Kimi Räikkönen beim ersten Boxenstopp ohne Reifenwechsel wieder auf die Strecke. Kurz darauf setzte der Regen wieder ein, mit dem abgefahrenen Gummi war der Finne chancenlos und verlor in wenigen Runden mehr als 30 Sekunden, ehe man sich bei Ferrari doch noch zu einem Stopp durchrang. Nach weiteren Drehern landete der Finne am Ende immerhin noch auf Platz vier, während sein Teamkollege Massa nur 13. und Letzter wurde.

Ein starkes Rennen neben Hamilton fuhr auch Nick Heidfeld. Er sicherte sich zum dritten Mal in diesem Jahr den zweiten Platz. Schon im Qualifying hatte sich der Mönchengladbacher mit dem fünften Startplatz eine gute Ausgangsposition geschaffen, im Regen zeigte er dann wieder einmal seine besonderen Qualitäten. Er blieb fast als einziger neben Hamilton fehlerfrei und lieferte außerdem noch die beiden Überholmanöver des Rennens, als er einmal gleichzeitig an Timo Glock und Fernando Alonso, dann an Räikkönen und Kovalainen auf einmal vorbei ging. Zittern musste Heidfeld nur einmal um seinen zweiten Platz – nach einer geschickte Strategie-Entscheidung von Honda. Dort hatte man Rubens Barrichello genau im richtigen Moment mit den Extremwetterreifen ausgestattet. Doch der Regen hörte wieder auf, der Brasilianer musste noch einmal an die Box, wurde aber am Ende immerhin noch sensationell Dritter.

Weniger Glück als Barrichelo und Heidfeld hatten die anderen deutschen Fahrer: Nico Rosberg (Williams), der nach völlig verkorkstem Training mit komplett umgebautem Auto aus der Boxengasse gestartet war, hatte als Neunter am Ende gerade einmal um 0,8 Sekunden einen Punkt verpasst, Timo Glock (Toyota) wurde Zwölfter. Für Sebastian Vettel (Toro Rosso) war das Rennen schon in der ersten Kurve zu Ende: David Coulthard, den er wahrscheinlich im nächsten Jahr bei Red Bull beerben wird, schickte ihn in den Kies.

Adrian Sutil im Force India, der das Chaos in der Startphase nutzen und sich von ganz hinten auf den elften Platz nach vorne schieben konnte, kam auch nur zehn Runden weit, ehe er ein Opfer der Bedingungen wurde: „Ich bin auf einer Wasserpfütze abgeflogen. Das war Aquaplaning, da kann man nicht mehr viel machen.“

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