Lewis Hamilton : Weltmeister von Fias Gnaden

Lewis Hamilton wird für sein Bremsmanöver nicht bestraft und darf nun in China den Formel-1-Titel holen.

Karin Sturm
Hamilton
Das war knapp. Lewis Hamilton wurde von der FIA freigesprochen. -Foto: dpa

Schanghai - Es wird schon langsam zur Routine, dass zumindest an den Trainingstagen der Formel 1 das Geschehen auf der Strecke in den Hintergrund tritt. Dass sich in Schanghai die Ferrari- und McLaren-Piloten einen Kampf um Hundertstel lieferten und der BMW-Fahrer Nick Heidfeld mit Hydraulikdefekten und Getriebewechseln einen rabenschwarzen Tag erwischte, war bestenfalls schmückendes Beiwerk für die wirkliche Action, die sich hinter nur notdürftig abgedunkelten Scheiben am Rande der Strecke abspielte. Dort sollte sich zeigen, ob der Automobil-Weltverband Fia seine in letzter Zeit sehr drastische Regelauslegung auch im Falle von Lewis Hamilton konsequent anwenden würde.

Nun, die Fia tat es nicht. Trotz neuer Videoaufnahmen und den zum Teil sehr deutlichen Aussagen der Fahrerkollegen zu Hamiltons Fahrweise hinter dem Safety-Car vor einer Woche im strömenden Regen von Fuji ging der WM-Führende nach einer Anhörung vor den Sportkommissaren der Fia straffrei aus und kann nun bereits im Rennen am Sonntag (8 Uhr/live bei RTL und Premiere) Weltmeister werden. Kurioserweise wurde die in Fuji gegen Sebastian Vettel ausgesprochene Strafe der Zurückversetzung um zehn Startplätze in Schanghai jedoch „angesichts der ausgesprochen schlechten Verhältnisse“ in eine Rüge umgewandelt. In Folge von Hamiltons Abbremsmanöver war der Toro-Rosso-Pilot dem Red-Bull- Fahrer Mark Webber ins Heck gerauscht. „Ich bin glücklich“, sagte Hamilton. „Das war schon hart, jetzt kann ich den Rest des Wochenendes wirklich genießen.“

Die Entscheidung steht allerdings konträr zu der von vielen Fahrern geteilten Auffassung, dass der Brite mit seiner unregelmäßigen und merkwürdigen Fahrweise seine Kollegen in unnötige Gefahr gebracht und den Unfall heraufbeschworen hat. Schon zuvor hatte es beim Fahrertreffen heftige Diskussionen zwischen der großen Mehrzahl der Fahrer und Rennleiter Charlie Whiting gegeben. Der hatte sich auf Hamiltons Seite geschlagen und den anderen vorgeworfen, „ihr seid ja alle genauso gefahren“ – ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass sich jedes Manöver an der Spitze zwangsläufig nach hinten auswirken muss. „Das ist ein Ziehharmonika-Effekt, den man oft auch in Staus hat und der sich nach hinten durchzieht“, sagte Nick Heidfeld. Ziemlich erbost zeigten sich vor allem die Veteranen David Coulthard und Alexander Wurz – aber auch Mark Webber, der Hamilton vorgeworfen hatte, einen „Scheiß-Job“ gemacht zu haben.

Auch Heidfeld hatte sich für eine Bestrafung Hamiltons ausgesprochen. „Wir hatten es vorher in Fuji explizit besprochen, was geht und was nicht geht“, sagte er. „Es war offensichtlich, dass er da einen Fehler gemacht hat.“ Aber auch Heidfeld musste erkennen, dass solche Argumente offenbar wenig Bedeutung haben, wenn der Betroffene das designierte neue Gesicht der Formel 1 ist. Karin Sturm

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