Sport : Lex Blatter

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Stefan Hermanns über die Fifa

und das Projekt 36

Eigentlich ist die Demokratie eine schöne Sache. Jeder darf mitbestimmen, zumindest wird einem dieses Gefühl vermittelt. In Wirklichkeit treffen die Mächtigen die wichtigen Entscheidungen in irgendwelchen Gremien, Zirkeln oder Kungelrunden. Vorbereiten, nennt man das. Wie dieses System der Pseudodemokratie genau funktioniert, ist am besten beim Fußballweltverband Fifa zu beobachten. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Joseph Blatter, der FifaPräsident, ist immer dann Demokrat, wenn sich sein Wille auf demokratische Weise legitimieren lässt; ist dies nicht gewährleistet, dann setzt Blatter die Demokratie kurzerhand außer Kraft.

Am Samstag hat der Fifa-Chef seine pragmatische Einstellung in dieser Frage erneut demonstriert. Weil der Antrag, bei der WM 2006 statt 32 Mannschaften erstmals 36 zuzulassen, im Exekutivkomitee keine Mehrheit gefunden hätte, hat Blatter darüber erst gar nicht abstimmen lassen. Dem Antrag hat er einfach so stattgegeben, zunächst zwar noch „unter Vorbehalt“, aber diese Floskel dient allein dazu, das diktatorische Vorgehen des Fifa-Präsidenten zu verschleiern.

Es gibt gute Gründe, die gegen das Projekt 36 sprechen, und das deutsche Organisationskomitee der WM hat sie alle angesprochen: Das Turnier wird noch gigantischer, der sportliche Wert wird verwässert, dazu besteht die Gefahr, dass am letzten Vorrundenspieltag eifrig manipuliert wird, wie 1982 in Gijon, als sich Deutsche und Österreicher mit einem genehmen 1:0 den Einzug in die nächste Runde erschummelten.

Für Blatter gibt es natürlich ebenso gute Gründe, die für das Projekt sprechen. Vier Verbände werden ihm künftig dankbar sein, dass sie auch zur WM durften. Für seine Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten könnten das einmal vier wichtige Stimmen sein. Joseph Blatter ist da nämlich ganz Demokrat.

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