Libyen beim Afrika-Cup : Von der Rebellenfront auf den Fußballplatz

Die libysche Fußballnationalmannschaft hat sich inmitten der Revolution für den Afrika-Cup qualifiziert – im Team stehen Spieler, die gegen Gaddafi gekämpft haben.

Olaf Jansen
Flagge zeigen. Libyens Nationalspieler vor ihrem Eröffnungsspiel beim Afrika-Cup gegen Äquatorialguinea. Foto: Reuters
Flagge zeigen. Libyens Nationalspieler vor ihrem Eröffnungsspiel beim Afrika-Cup gegen Äquatorialguinea.Foto: Reuters

Wenn Walid al-Katroushi und seine Teamkollegen von der libyschen Nationalmannschaft in diesen Tagen beim Afrika-Cup vom Teamhotel zum Trainingsplatz fahren, geht nichts ohne böse dreinblickende Sicherheitskräfte und viele gepanzerte Militärfahrzeuge, die den Konvoi begleiten. In Bata, Äquatorialguineas größter Stadt am Golf von Guinea, setzen die Veranstalter der Afrikameisterschaft auf Militärpräsenz. Al-Katroushi und seinen Kollegen scheint das nichts auszumachen. Sie sind bewaffnete Milizen gewohnt. Viele von ihnen haben aktiv bei der Revolution in Libyen im vergangenen Jahr mitgekämpft, einige haben Verwandte und die meisten von ihnen Freunde im Kampf gegen das Gaddafi-Regime verloren. „Wir sind nicht hier, um Spaß zu haben. Wir sind hier, um Gutes für unser libysches Volk zu tun“, sagt Walid al-Katroushi zum Auftritt des libyschen Teams beim Afrika-Cup.

Dass sich das nordafrikanische Team überhaupt für das Turnier qualifizieren konnte, kommt einem sportlichen Wunder nahe. Im Februar, als die Kämpfe im Libyen begannen, setzten sich die meisten Nationalspieler zu Klubs aus dem benachbarten Ausland ab. Andere schlossen sich den Rebellen an und begannen zu kämpfen. Ali Al-Ahwad, ehemaliger Nationalspieler und heute Co-Trainer des Nationalteams machte sich auf den Weg und sammelte für die anstehenden Qualifikationsspiele die Spieler zusammen. Es wurde viel telefoniert in dieser Zeit zwischen Tripolis und Düsseldorf. Im Rheinland saß Antoine Hey und koordinierte die Reisen und Spiele des Teams.

Hey, ehemaliger Bundesliga-Profi, ist seit vielen Jahren als Fußballfachmann in Afrika unterwegs. Seit Sommer 2010 arbeitet er als Sportlicher Direktor des libyschen Fußballverbandes. Ende Februar verließ er die libysche Hauptstadt – es wurde zu gefährlich. „Aber ich hatte meinen Mitarbeitern versprochen, alles von Deutschland aus weiterzuorganisieren“, erzählt Hey. „Wir mussten unsere Spiele im Ausland austragen, es war ein totales Durcheinander. Aber die Spieler haben das Wunder vollbracht: die Qualifikation für den Cup.“

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