Sport : Lichtblick im Regen

Der Kugelstoßer Ralf Bartels gewinnt überraschend Bronze

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Von Jörg Wenig

München. Das Wetter war so grau, dass zeitweise der Münchner Fernsehturm gegenüber dem Olympiastadion in den Wolken verschwand. Der dichte Regen verbesserte die Sicht auch nicht gerade, doch einem deutschen Kugelstoßer kamen die widrigen Bedingungen gerade recht. Ralf Bartels, der bis gestern noch nicht viel gewonnen hatte, überraschte vor 29 000 Zuschauern bei der Leichtathletik-Europameisterschaft alle und sich selbst. Mit 20,58 Metern gewann der 24-jährige unerwartet die Bronzemedaille. „Hätte mir das einer vorher gesagt, ich hätte ihn für verrückt erklärt“, sagte Bartels. Besser als er stießen nur noch der Ukrainer Juri Bilonog mit 21,37 Metern und der Däne Joachim Olsen mit 21,16 Metern. Für den zweiten Höhepunkt hatte am Abend die Engländerin Paula Radcliffe gesorgt, die über 10 000 Meter mit 30:01,09 Minuten einen neuen Europarekord aufstellte.

„Ich habe mir vor dem Finale gesagt: alles oder nichts“, erzählte Bartels. Es wurde alles. Dabei profitierte er von den schwierigen Umständen im Finale. Der Kugelstoß-Ring war im Dauerregen glitschig und nass. „Sicher hat mir das schlechte Wetter auch etwas geholfen“, sagte der erste deutsche Medaillengewinner dieser EM. „So etwas an Regen habe ich noch nicht erlebt.“ Im fünften Versuch hatte er sich auf die Weite gesteigert, die ihm den dritten Platz brachte.

Zuvor hatte Radcliffe ihren Europarekord aufgestellt. Die 28-Jährige spulte die 25 Runden in 30:01,09 Minuten herunter und blieb damit knapp 13 Sekunden unter der Bestmarke der Norwegerin Ingrid Kristiansen 1986. Radcliffes Münchner Zeit ist die zweitschnellste Zeit, die jemals eine Frau über 10 000 Meter lief. Der Weltrekord steht bei 29:31,78 Minuten, gelaufen 1993 von der Chinesin Wang Junxia. Allerdings gibt es um diesen Rekord Doping-Gerüchte.

In den Vorkämpfen konnte sich Heike Drechsler mit 6,41 für das heutige Finale qualifizieren. „Bei diesem Wetter Weitsprung zu machen, das macht nicht unbedingt Spaß“, sagte die Titelverteidigerin. Dann fügte sie noch hinzu: „Ich weiß, was ich kann, wenn es nicht regnet.“

Die Wettervorhersagen für heute machen allerdings wenig Hoffnung. „Ich dachte, das Wetter bricht mir das Genick“, sagte auch der Hochsprung-Weltmeister Martin Buß, der in dieser Saison noch nicht richtig in Tritt gekommen ist. Gestern schaffte er aber mit 2,20 m ebenfalls die Qualifikation für das morgige Finale.

Die große Entäuschung bildeten die drei deutschen Hammerwerfer, die bereits im Vorkampf scheiterten. Karsten Kobs, der nur auf 77,44 Meter kam, sagte: „Die Enttäuschung ist momentan sehr groß.“ Der erste Sieger dieses verregneten ersten Tages war ausgerechnet ein Mann aus Spanien. Francisco Fernandez siegte in 1:18:37 Stunden im 20 Kilometer Gehen.

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