Sport : Lieber Billigkräfte aus Amerika

Noch nie waren so viele deutsche Basketball-Nationalspieler ohne Verein – für die Bundesligisten ist es günstiger, Ausländer zu verpflichten

Benedikt Voigt[Braunschweig]

Dirk Bauermann ist ratlos. „Ich kann das nicht ändern“, sagt der Bundestrainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Acht seiner 15 Spieler (Arigbabu, Demirel, Jagla, Maras, Pesic, Wucherer, Garrett, Okulaja) suchen zurzeit einen neuen Verein, so viele wie nie zuvor zu diesem Zeitpunkt. Gäbe es nicht die Vorbereitung für die Europameisterschaft in Serbien, wären diese Nationalspieler gegenwärtig sogar arbeitslos. Gestern spielten sie im Supercup gegen Weißrussland 75:59 (39:29). Dirk Nowitzki erzielte in seinem ersten Spiel 33 Punkte.

Könnte Bauermann nicht etwas ändern an der Situation der vereinslosen Spieler und sie als Vereinstrainer des Deutschen Meisters GHP Bamberg einfach selbst verpflichten? Der Bundestrainer lacht. „Da sind wir wieder beim Thema“, sagt er. Das Thema ist: Die deutschen Nationalspieler sind nach der Aufhebung der Ausländerbeschränkung in der Basketball- Bundesliga zu teuer geworden. Marco Baldi, Vizepräsident von Alba Berlin, sagt: „Jeder Verein versucht, für sein Geld maximale Qualität zu holen.“ Viele Amerikaner bieten nun für das gleiche Geld mehr Leistung. Am deutlichsten erkennt man das bei den Bayer Giants Leverkusen. In den vergangenen Jahren hatte der Verein noch Schlagzeilen gemacht, weil er auf ein Konzept mit deutschen Spielern setzte – und damit gescheitert ist. In der nächsten Saison tritt Leverkusen mit sechs Amerikanern an.

Zwar schreibt die neue Regel auch eine Quote von deutschen Spielern vor, die sich bis 2010 auf vier Einheimische pro Team steigert. Doch diese Plätze besetzen die Klubs bereits in der kommenden Saison mit billigen Nachwuchsspielern. So spielt mit Demond Greene nur noch ein Nationalspieler bei Alba, Talente wie Philipp Zwiener, Robert Kulawick und Sascha Leutloff ergänzen den Kader. „Natürlich will ein Verein lieber deutsche Spieler haben“, sagt Baldi, „sie sprechen die Sprache und müssen sich nicht eingewöhnen.“ Aber die Vereine wollen eben auch national und international Erfolge feiern.

Nach der Regeländerung hatten die Nationalspieler bereits geahnt, dass es für sie schwerer werden würde. Sie überlegten sogar, für eine andere Regelung zu streiken. Davon sind sie allerdings wieder abgekommen. Nun versuchen sie, sich in den Vorbereitungsspielen und bei der Europameisterschaft für neue Klubs zu empfehlen. Eigentlich eine positive Situation für den Bundestrainer, denn so gehen die Spieler noch motivierter zu Werke. „Aber man muss aufpassen, dass die Spieler ihre persönlichen Motive nicht über die Ziele der Mannschaft stellen“, sagt Bauermann. Er findet nicht, dass die Nationalspieler insgesamt zu teuer seien. „Sie haben sich diesen Marktwert verdient, man kann ihnen dazu nur gratulieren.“

Doch der Markt in Deutschland hat sich durch die neue Regel verändert. Das hat auch der frühere Nationalspieler Marvin Willoughby bemerkt. „Man kann es den Klubs ja nicht übel nehmen, dass sie lieber einen Spieler nehmen, der statt 100 Euro 20 kostet“, sagte der ehemalige Spieler von Rhein Energie Köln der „Basketball- Zeitung“. Er sucht zurzeit selbst einen Verein. Klappt das nicht, hat der 27-Jährige eine ungewöhnliche Lösung parat: Er überlegt, ein Studium anzufangen.

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